ArchivDeutsches Ärzteblatt45/1997Monoklonaler Antikörper: Behandlung von B-Zell-Lymphomen

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Monoklonaler Antikörper: Behandlung von B-Zell-Lymphomen

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS In den USA steht der erste monoklonale Antikörper zur Behandlung einer malignen Erkrankung unmittelbar vor der Zulassung, nachdem ein Beraterkomitee der Food and Drug Administration (FDA) Ende August den Einsatz von Rituximab zur Behandlung von Non-Hodgkin-Lymphomen mit niedrigem Malignitätsgrad befürwortet hat. Wie auf einer Pressekonferenz am Rande des Europäischen Krebskongresses in Hamburg zu erfahren war, erwartet der Schweizer Konzern Hoffmann-La Roche, der das Medikament in Deutschland vermarktet, für Mitte nächsten Jahres eine Zulassung.
In Deutschland leiden 30 000 bis 40 000 Menschen an Non-Hodgkin-Lymphomen. In etwa der Hälfte der Fälle handelt es sich um ein niedrigmalignes B-Zell-Lymphom. Nur für diese Untergruppe kommt eine Behandlung mit Rituximab in Frage. Der Antikörper erzielt seine Wirkung (Zellyse, Apoptose) durch Bindung an den CD20Rezeptoren, die ausschließlich auf B-Zellen vorhanden sind. Bei anderen Non-Hodgkin- oder HodgkinLymphomen ist das Medikament per se wirkungslos.

Gute Verträglichkeit
Eine Besonderheit ist die gute Verträglichkeit von Rituximab. Es unterscheidet sich in diesem Punkt von früheren Antikörpern, deren Einsatz immer wieder an den schweren Komplikationen scheiterte. Sie waren zum Teil Folge eines unspezifischen Angriffspunktes, zum Teil wurden sie durch heftige Abwehrreaktionen des Immunsystems gegen den körperfremden Antikörper ausgelöst. Die Antikörper wurden zumeist in Mäusen generiert. Immunologische Reaktionen treten bei Rituximab, wenn überhaupt, dann in sehr abgeschwächter Form auf. Anders als die Vorgänger ist Rituximab eine Chimäre aus menschlichen und murinen Anteilen des Antikörpermoleküls. Mit gentechnischen Mitteln konnte der murine Anteil immer weiter reduziert werden. Dies wird den Preis steigern.

Späte Rezidive
Die Wirksamkeit wurde durch Studien an etwa 300 Patienten belegt. Für die Zulassung in den USA wurde eine Phase-3-Studie durchgeführt. Darin kam es bei 76 von 151 auswertbaren Patienten zu einer partiellen oder kompletten Remission des Tumors. Die mittlere Dauer der Remission ist noch nicht bekannt. Die Mehrzahl der Patienten lebt mittlerweile über zwölf Monate ohne Rezidiv. Allerdings ist das Medikament nicht völlig nebenwirkungsfrei. In den Studien kam es nach der ersten Infusion zu Fieber, Schüttelfrost, Hautausschlägen und selten zu einem Bronchospasmus sowie einem leichten Blutdruckabfall. Mit der Zahl der Infusionen soll sich die Verträglichkeit aber verbessern. Da auch die nichtmalignen B-Zellen den CD20-Rezeptor exprimieren, kommt es zu einem Abfall der B-Zellen. Ein das Immunsystem schwächender Abfall der Antikörper soll jedoch noch nicht beobachtet worden sein (siehe auch JAMA 1997; 278: 616-618). Rüdiger Meyer

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