ArchivDeutsches Ärzteblatt45/1997Börsebius zu Steuerberatern (IV): So ist es recht

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Steuerberatern (IV): So ist es recht

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Viele Leute scheuen einen Rechtsstreit mit ihrem Steuerberater wie der Teufel den Weihwasserwedel. "Das nützt ja eh nix", sagen die meisten, den hohen Kosten stünde bloß ein enormes Prozeßrisiko gegenüber. Dem ist keineswegs so. Vor Gericht haben die meisten Mandanten, so die Ansprüche einigermaßen begründet sind, durchaus gute Chancen. Die Richter schlagen sich - selbst genervt vom unübersichtlichen Steuerdschungel - immer häufiger auf die Seite des überforderten Bürgers. Das gilt selbst für den gestrengen Bundesgerichtshof (Az.: IX ZR 161/94).
Wenn Sie als Mandant mehr Steuern zahlen müssen, als es nach Ihrer fiskal-spezifischen Situation geboten wäre, hat der Steuerberater in der Regel etwas falsch gemacht - und muß dafür auch haften. Ich meine damit ausdrücklich nicht irgendwelche zweifelhaften Steuersparmodelle, sondern beispielsweise das Nicht-Ausnutzen von Wahlrechten sowie die Falschauslegung von Erlassen der Finanzverwaltung. Ist bei ihm für den Fall der Fälle überhaupt etwas zu holen? Der schönste Titel bei einem gewonnenen Rechtsstreit nützt bekanntlich gar nichts, wenn der Beklagte arm wie eine Kirchenmaus ist oder so tut, als hätte er nichts an den Füßen. Doch keine Angst, auf Weisung der Steuerberaterkammer muß jeder deutsche Steuerberater eine Haftpflichtversicherung in Höhe von mindestens einer halben Million Mark abschließen. Doch auch hier klafft eine Lücke im System. Vorsicht ist geboten, wenn Ihr Steuerberater keine Zulassung bei einer Kammer hierzulande hat, sondern über ein Land der EU auf den deutschen Markt drängt. Dann kann es erhebliche Probleme bei der Haftung geben, genauer bei der Durchsetzung der Ansprüche. Vorsicht! Von dieser Spezies Steuerberater gibt es immer mehr, zumal hierzulande fast 70 Prozent an der Steuerberaterprüfung scheitern und viele von denen dann flugs den Wohnsitz wechseln, um von außen die Pfründe zu sichern. Also, immer nach der Zulassung fragen, kann böse Überraschungen verhindern.
Und: Nicht nur bei Vorsätzlichkeit ist der Steuerberater dran, sondern auch bei Fahrlässigkeit, was im Grunde auch klar ist. Das gilt etwa für den Fall, daß der Berater nicht alle relevanten Urteile und Gesetze des Bundesfinanzhofs kennt und sie somit nicht anwendet. Der Mandant muß jetzt nur noch darauf achten, daß seine Ansprüche nicht der dreijährigen Verjährung anheimfallen. Was wenige wissen: Die Frist beginnt keineswegs dann, wenn der Berater den Fehler gemacht hat, sondern wenn der Mandant den Fehler erkennt. So bleibt ausreichend Zeit, alle Chancen und Risiken einer Klage abzuwägen. Börsebius
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