ArchivDeutsches Ärzteblatt46/1997Deutsche Kopfschmerz-Gesellschaft: Monopräparate bevorzugt verordnen

SPEKTRUM: Akut

Deutsche Kopfschmerz-Gesellschaft: Monopräparate bevorzugt verordnen

Bischoff, Angelika

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LNSLNS Seit einigen Jahren empfiehlt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft, daß Kombinations-Analgetika nicht verschrieben werden sollten. Als Argumente gegen Kombinationspräparate führt die DMKG an, daß sie nicht besser wirken als vernünftig dosierte Monosubstanzen, daß sie mehr unerwünschte Wirkungen hervorrufen und daß sie häufiger als Monosubstanzen zu Dauerkopfschmerzen und Abhängigkeit führen. Doch die Botschaft hat die Ärzte anscheinend noch nicht erreicht. Denn im jüngsten Arzneiverordnungsreport der Ortskrankenkassen hielten Kombinations-Analgetika immer noch die ersten vier Positionen in der Verschreibungshäufigkeit, betonte Prof. Hans Christoph Diener (Universität Essen) auf dem Kopfschmerzkongreß in Berlin. Als besonders unsinnig betrachtet er - wegen des hohen Abhängigkeitspotentials - Kombinationen mit Codein.

Diener räumte ein, daß das häufig in Mischpräparaten enthaltene Coffein nachweislich die analgetische Wirkung verstärkt. Eine Tasse Kaffee würde jedoch denselben Zweck erfüllen. An wissenschaftlich validen Belegen dafür, daß Kombinations-Analgetika besser wirken als Monosubstanzen, fehlt es bisher. Nach Dieners Beobachtungen besteht bei Verwendung von Kombinations-Analgetika ein höheres Risiko für medikamenteninduzierte Dauerkopfschmerzen. Patienten, die in dieses Problem durch Monosubstanzen hineinrutschen, habe er selten erlebt. Allerdings scheint für die Entwicklung medikamentenbedingter Kopfschmerzen eine gewisse Disposition vorzuliegen. Rheumapatienten, die lange mit nichtsteroidalen Antirheumatika behandelt werden, sind nicht betroffen. "Im Vergleich zu den Problemen, die bei den verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln auftreten, sind rezeptfreie Kombinations-Analgetika eher harmlos", so Diener.


Wer Schmerzmittel nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht häufiger als an zehn Tagen eines Monats einnimmt, müsse nicht damit rechnen, daß Dauerkopfschmerzen auftreten. Ebenso hat eine Umfrage im Jahr 1996 bei 950 chronischen Kopfschmerzpatienten in Berlin ergeben, daß insbesondere frei verkäufliche Kombinations-Analgetika für die Induktion medikamentenabhängiger Dauerkopfschmerzen weniger relevant seien, als oft befürchtet werde, erklärte Dr. Jan-Peter Jansen (Berlin). Bei der Umfrage kam heraus, daß etwa 16 Prozent der Patienten ergotaminabhängig sind, je fünf Prozent Sumatriptan oder verschreibungspflichtige Kombinations-Analgetika mißbrauchen, aber nur ein Prozent von freiverkäuflichen Analgetika abhängig ist.
Dr. med. Angelika Bischoff

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