ArchivDeutsches Ärzteblatt46/1997Tagung der Mykologischen Gesellschaft: Von Pilzen und anderen Parasiten

POLITIK: Medizinreport

Tagung der Mykologischen Gesellschaft: Von Pilzen und anderen Parasiten

Klinkhammer, Ferdinand

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LNSLNS Obwohl die allergene Wirkung von Schimmelpilzen bekannt ist, fehlt in Deutschland eine Standardmethode zur quantitativen und qualitativen Bestimmung von luftgetragenen Pilzen. In einigen europäischen Ländern und in den USA liegen diesbezüglich zumindest Ansätze vor. Allerdings enthalten sie so unterschiedliche Grenzwerte für die KBE (Kolonie bildende Einheiten) pro Kubikmeter in Innenräumen, daß sie entweder zu falschen Sicherheiten oder zu Überreaktionen führen.
Wie Heike Neumeister (Berlin) auf der Jahrestagung der Deutschen Mykologischen Gesellschaft in Aachen berichtete, ergibt sich die Notwendigkeit von Standardmethoden und Standardwerten zwingend für Gerichtsgutachten, zur Bewertung pilzverseuchter Bauten und nicht zuletzt zur Festlegung zulässiger Arbeitsplatzkonzentrationen. René Ostrowski (Aachen) wies darauf hin, daß neben dem allergenen Potential biologischen Materials aus Stäuben - wie Pilzsporen, Milben, Tierhaare und -schuppen - auch die von Organismen emittierten flüchtigen Verbindungen von Bedeutung sind.
Untersuchungen von Luftfilteranlagen in Großgebäuden bestätigen, daß die auf ihnen stattfindende Abscheidung von lebenden und toten Mikroorganismen ein Allergenreservoir darstellt, das zu einer erheblichen Belastung der Innenraumluft führen kann. Die Symptome dieses "sick building syndrome" sind vielfältig: besonders häufig wird bei der Arbeit in klimatisierten Großräumen über Kopfschmerzen, Müdigkeit und allgemeine Unpäßlichkeiten geklagt. Breiten Raum nahmen moleku-larbiologische Themen ein: Michael Breitenbach (Salzburg) berichtete über fünfjährige molekulare Untersuchungen an Allergenen der beiden Pilze Cladosporium herbarum und Alternaria alternata. Sie identifizierten 15 Allergene, von denen die Enolase das zweitwichtigste Allergen sowohl von Alternaria als auch von Cladosporium war. Die Sequenzen und Strukturen von Alternaria-Enolase und Cladosporium-Enolase sind sehr ähnlich (89prozentige Sequenz-Identität).
Der Tatsache, daß die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie eine ständige Zusammenarbeit mit der Mykologischen Gesellschaft vereinbart hat, wurde in Aachen mit zwei Referaten zu den Parasiten Toxoplasma gondii und der Gattung Leishmania Rechnung getragen. Heidrun Moll (Würzburg) berichtete über Untersuchungen an dendritischen Zellen, die wie die Makrophagen als Wirtszellen für Parasiten der Gattung Leishmania dienen und die T-Zell-vermittelte Immunantwort regulieren, deren Verlauf für den Ausgang der Infektion entscheidend ist. Sie sind für den Transport der Parasiten von der infizierten Haut in die lokalen Lymphknoten verantwortlich und bewirken dort eine spezifische T-Zell-Reaktion. Zu Beginn der Infektion haben die dendritischen Zellen die Funktion, eine primäre Immunantwort gegen Leishmanien auszulösen. Nach der spontanen Abheilung der Hautläsionen in resistenten Wirten präsentieren die dendritischen Zellen Antigene von persistierenden Erregern. Damit sind sie möglicherweise an der Aufrechterhaltung des immunologischen Gedächtnisses beteiligt, das den Wirt vor erneuten Infektionen schützt. Deshalb können die dendritischen Zellen vielversprechende Kandidaten zum Einsatz als natürliches Adjuvans bei Impfungen gegen Leishmanien sein.


Liposomale Darreichungsformen
Hans Christian Korting (München) schilderte die Entwicklung einer neuartigen Darreichungsform für die antimykotischen Substanzen Econazol und Clotrimazol. Beide Substanzen wurden in die in der Kosmetik häufig gewählte liposomale Trägerform eingearbeitet. In einer großen, kürzlich abgeschlossenen multizentrischen Doppelblindstudie bei Tinea pedis wurde die Heilungsrate eines liposomalen Econazol-Präparates bei täglicher Anwendung über 14 Tage mit konventioneller Econazol-Creme und generischer Clotrimazol-Creme verglichen. Es erwies sich eine leichte Überlegenheit des Liposomen-Präparates, die jedoch statistisch nicht abzusichern war.
Liposomal verkapseltes Amphotericin B zeigt bei der Behandlung schwerer systemischer Mykosen eine geringere Nephrotoxizität als die bisher eingesetzten Standardpräparate. Obwohl eine endgültige Bewertung des Nutzens der liposomalen Verkapselung gegenwärtig noch nicht möglich ist, hat sich das liposomal verkapselte Amphotericin B bei Systemmykosen als wirksam erwiesen, die auf konventionelles Amphotericin in tolerablen Dosen nicht ansprechen. Nur in diesen Fällen ist die ungünstige Relation von Aufwand und Nutzen zu vertreten.
Dr. Ferdinand Klinkhammer

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