ArchivDeutsches Ärzteblatt46/1997Berufsverband der Chirurgen: Keine ambulanten Operationen mehr

POLITIK: Aktuell

Berufsverband der Chirurgen: Keine ambulanten Operationen mehr

Maus, Josef

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LNSLNS Der Berufsverband der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC) will nicht mehr länger auf bessere Zeiten warten. Angesichts der nach wie vor unzulänglichen Vergütungssituation beim ambulanten Operieren empfiehlt der Berufsverband den niedergelassenen Chirurgen, keine ambulanten Operationen mehr anzubieten und Patienten statt dessen ans Krankenhaus zu verweisen.


Die niedergelassenen Chirurgen gehen auf Konfrontationskurs. Weil die Vergütung der ambulanten operativen Leistungen in vielen Fällen noch nicht einmal ausreiche, um die Kosten zu decken, sollen ambulante Operationen nicht mehr "zu den Bedingungen der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung" erbracht werden. Mit dieser Empfehlung - beschlossen auf dem 11. Deutschen Chirurgentag am 25. und 26. Oktober 1997 in Kassel - wendet sich der Berufsverband der Deutschen Chirurgen an seine niedergelassenen Mitglieder. Seit Jahren habe der BDC die Krankenkassen, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und auch den Gesetzgeber auf die unhaltbare wirtschaftliche Situation der ambulanten Operateure hingewiesen. Mehrere betriebswirtschaftliche Gutachten hätten "die extreme Kostenunterdeckung von zum Teil mehr als 50 Prozent" dokumentiert - bislang alles ohne Erfolg (siehe DÄ, Heft 39/1997, Rubrik "Leitartikel").


"Einsparungen werden bestraft"
Besonders verbittert zeigt sich der Verband über den Umstand, daß "nach wie vor ausschließlich diejenigen bestraft werden, die durch die Verlagerung stationärer Leistungen in den ambulanten Bereich zu einer deutlichen Kostensenkung im Gesundheitsweisen beigetragen haben". Die bisherigen Bemühungen, in Verhandlungen mit der KBV zu sinnvollen Änderungen der Gebührenordnung zu kommen, seien gescheitert. Inzwischen läge zwar ein tragfähiges Konzept vor, doch die KBV sei nicht in der Lage, dieses Modell in einem politischen Konsens zu beschließen.


Verlagerung in die Krankenhäuser Unter den derzeitigen Bedingungen, erklärt der Berufsverband, könnten die niedergelassenen Chirurgen nicht mehr länger in Vorleistung treten. Konkret fordert der BDC seine Mitglieder auf, "diejenigen ambulanten Eingriffe abzulehnen, die besonders defizitär sind". Den Patienten solle in diesen Fällen eine stationäre Behandlung vermittelt werden. Kein Kassenarzt sei gezwungen, "Leistungen in den roten Zahlen zu erbringen", es sei denn, es handele sich um Notfallmaßnahmen.
Der Berufsverband geht noch einen Schritt weiter: er will direkt mit den Kostenträgern über den Abschluß von regionalen Vereinbarungen verhandeln. Kämen derartige Verträge zustande, könnten auch künftig ambulante Operationen angeboten werden. Darüber hinaus kündigte der BDC an, "eine eigene Vergütungsstruktur für die Fachgruppe der niedergelassenen Chirurgen zu entwickeln". Sie soll die Basis für direkte Verhandlungen mit den Krankenkassen schaffen.
In der Mitteilung des Berufsverbandes heißt es dazu: "Die Chirurgen haben lange genug versucht, auf dem Verhandlungsweg konsensuale Lösungen zu finden. Die Chirurgen werden daher jetzt ihre berechtigten Interessen eigenständig vertreten und durchsetzen." Josef Maus

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