ArchivDeutsches Ärzteblatt46/1997Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung: Schirbort begrüßt Festzuschüsse

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Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung: Schirbort begrüßt Festzuschüsse

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LNSLNS Beim Zahnersatz werden vom 1. Januar 1998 an Festzuschüsse das bisherige System der prozentualen Bezuschussung ablösen. Darauf verwies Dr. Karl Horst Schirbort, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), anläßlich der diesjährigen Ver­tre­ter­ver­samm­lung der KZBV. Schirbort zufolge ist die prozentuale Bezuschussung ungerecht, da Patienten, die sich für teurere Behandlungsmethoden entschieden, stärker finanziell unterstützt werden. Sozial schwächere Patienten, die sich keinen hohen Eigenanteil leisten können und sich daher mit einfacheren Versorgungen begnügen müßten, finanzierten die aufwendigere Versorgung des Bessergestellten mit.
Die Festzuschußregelung bietet, wie Schirbort ausführte, erstmals die Möglichkeit unterschiedlicher Honorare beim Zahnersatz (Berechnungsgrundlage: GOZ). Man habe allerdings einer zweijährigen Honorarbegrenzung auf das 1,7fache der GOZ (Ost: das 1,86fache) zugestimmt. Damit entsteht in Zukunft ein Preiswettbewerb bei den Zahnärzten, aber auch bei den Zahntechnikern, weil das bisher geltende Bundeseinheitliche Leistungsverzeichnis als Höchstpreisliste für zahntechnische Leistungen abgeschafft wird.
Gleichzeitig mit den Festzuschüssen wird die direkte Kostenerstattung auf Grundlage der Amtlichen Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) eingeführt. Der Patient soll durch mehr Transparenz beim Abrechnungsverfahren einen Überblick über die Gesamtkosten seiner Versorgung erhalten und somit in der Lage sein, eigenverantwortlich über Art und Umfang seiner Behandlung entscheiden zu können. Diese Neuregelungen sollen Anreize für eine wirtschaftlichere Versorgung schaffen.


"Fortschrittsfalle" Schirbort vertrat die Auffassung, daß die Beitragssumme der Versicherten nicht ausreiche, um das bestehende und immer größer werdende Leistungsangebot zu finanzieren. Die GKV müsse sich in erster Linie um die lebenserhaltende Schwerpunktmedizin kümmern. Dagegen seien künftig Behandlungen, die über das Maß des "Ausreichenden, Notwendigen und Wirtschaftlichen" hinausgehen, vom Patienten weitgehend selbst zu tragen.
Weil die Zahl der älteren Patienten zunimmt, werde der Behandlungsbedarf enorm steigen. Die GKV stehe vor dem Dilemma, ihre Aufgaben auf das Wesentliche beschränken zu müssen, andererseits aber zu gewährleisten, daß neue Therapieformen, die der Fortschritt in der Medizintechnologie ermöglicht, den Patienten nicht vorenthalten werden.
In diesem Zusammenhang kritisierte Schirbort die Budgetregelungen der Länder Hessen, Nordrhein, Bremen und Hamburg. Durch die festgesetzten Ausgabenobergrenzen stünden die Zahnärzte dort vor der unlösbaren Aufgabe, mit begrenzten Mitteln einem unbegrenzten Leistungsanspruch gerecht zu werden. dh

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