ArchivDeutsches Ärzteblatt46/1997CMV – Therapie und Prophylaxe: Orales Ganciclovir bietet neue Optionen

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CMV – Therapie und Prophylaxe: Orales Ganciclovir bietet neue Optionen

Strohmaier, Birgit

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LNSLNS Bei HIV-Patienten treten mit einer Inzidenz bis 40 Prozent durch das Cytomegalievirus (CMV) induzierte Erkrankungen auf. Eine gefürchtete Manifestation ist die CMV-Retinitis, die unbehandelt innerhalb weniger Monate zur Erblindung führt. Bei gastrointestinalen Manifestationen wie der CMV-Colitis besteht eine hohe Prävalenz lebensbedrohlicher Komplikationen wie Blutungen, Perforation oder Obstruktion.
Oral verfügbares Ganciclovir (Cymeven® oral, Hoffmann-La Roche) ist eine wirksame Alternative zur parenteralen Induktions- und Erhaltungstherapie mit Ganciclovir oder Foscarnet. Der Verzicht auf tägliche Arzt- und Ambulanzbesuche bedeutet einen Gewinn an Lebensqualität für die betroffenen Patienten. Die orale Therapie ist zudem verträglicher als die intravenöse Versorgung.

Zwölf Kapseln täglich
Probleme bereitet laut Dr. Albrecht Stoehr (Hamburg) die geringe Bioverfügbarkeit solcher Kapseln von sechs
bis neun Prozent; die Einnahme mit der Nahrung macht eine 20prozentige Steigerung möglich. Grundvoraussetzung für den Therapieerfolg mit oralem Ganciclovir ist deshalb die Compliance der Patienten, die täglich zwölf Kapseln einnehmen müssen.
Die orale Darreichungsform von Ganciclovir bietet auch die Möglichkeit, das Auftreten der CMV-Erkrankung zu verhindern. In der Studie von Spector et al.
(NEJM 1996; 334: 1491-1497) konnte durch eine orale Primärprophylaxe die Inzidenz einer CMV-Infektion um 50 Prozent reduziert werden. Orales Ganciclovir ist mittlerweile in den USA für die Prophylaxe von CMVErkrankungen zugelassen. Im Rahmen der AUI 034-Sekundärprophylaxe-Studie erhielten 159 Patienten nach parenteraler Induktionstherapie randomisiert sechsmal täglich eine Erhaltungsdosis von 500 mg Ganciclovir oral oder 5 mg/kg Körpergewicht parenteral. Obwohl die Zeit bis zum Progreß einer Retinitis nach Auswertung beteiligter Ophthalmologen bei parenteraler Gabe länger war, erwies sich auch oral verabreichtes Ganciclovir als wirksame Sekundärprophylaxe der CMV-Retinitis.
Mitentscheidend für das schlechtere Abschneiden der oralen Ganciclovirzubereitung war nach Ansicht von Stoehr, daß bei einigen Patienten Malabsorptionen auftraten und daß die Studie nicht verblindet werden konnte: Nichtbeteiligte Ophthalmologen ermittelten für beide Behandlungsarme kürzere rezidivfreie Zeiten unter Angleichung beider Gruppen. Dosiserhöhung könnte die Wirksamkeit weiter steigern.
Nach Zwischenergebnissen der ICM-GAN-1654-Studie traten bei CMV-Infizierten (CD4-Lymphozytenzahl < 100/mcl und Vollbild AIDS oder < 50/mcl ohne AIDS), die dreimal täglich eine Primärprophylaxe von
1 000 mg Ganciclovir peroral erhielten, deutlich seltener CMV-induzierte Erkrankungen wie Retinitis oder Colitis auf als bei der Plazebogruppe. "Durchsetzen wird sich die Primärprophylaxe nur, wenn es gelingt, ihre Indikation einzugrenzen", glaubt Stoehr. Denkbar als Marker für das Erkrankungsrisiko ist das CMV-Antigen pp65 oder die Polymeraseketten-Reaktion (PCR). Jüngst wurde mittels PCR gezeigt, daß eine hohe CMVViruslast mit einer schlechten Prognose der Erkrankung assoziiert ist. Ein weiterer Baustein der CMV-Therapie ist das lokal im Auge wirksame Ganciclovir-Implantat, das eine kontinuierliche Wirkstofffreisetzung gewährleistet. Dieses Medikament ist unter dem Handelsnamen VitrasertTM (Chiron Adatomed) in Deutschland erhältlich. Birgit Strohmaier

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