ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2011Herbert Britz †: Erster Vorsitzender des Marburger Bundes

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Herbert Britz †: Erster Vorsitzender des Marburger Bundes

Dtsch Arztebl 2011; 108(15): A-851 / B-697 / C-697

Hibbeler, Birgit

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Herbert Britz. Foto: privat
Herbert Britz. Foto: privat

Bessere Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte – dieses Anliegen hat Dr. med. Herbert Britz bis ins hohe Alter nicht losgelassen. Noch im Juni 2010 sprach er auf einer Kundgebung des Marburger Bundes (MB) in Köln vor mehr als 1 000 jungen Kollegen. Vermutlich ist den meisten Krankenhausärzten in Deutschland sein Name nicht geläufig, doch sie haben ihm viel zu verdanken: Britz war maßgeblich an der Gründung des MB beteiligt. Im Jahr 1948 wurde er zum ersten Vorsitzenden der Ärztegewerkschaft gewählt. Damit hat er die Weichen für eine eigenständige ärztliche Interessenvertretung gestellt. Am 29. März ist er im Alter von 93 Jahren gestorben.

Britz gilt als „Mann der ersten Stunde“ in der ärztlichen Berufspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg. Angetrieben wurde er durch die unzumutbaren Arbeitsbedingungen für Klinikärzte. Die meisten jungen Ärzte arbeiteten damals auf Volontärstellen. „Außer gelegentlicher Verpflegung durch die Oberschwester gab es kein Entgelt“, schrieb Britz 2002 in einem Artikel für die „Marburger Bund-Zeitung“. Zwar war jeder froh, den Krieg überlebt zu haben, doch dem ärztlichen Nachwuchs fehlte es an Perspektiven.

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1946 initiierte Britz die Gründung der „Arbeitsgemeinschaft der Jungärzte innerhalb der Ärztekammer“, die gegenüber dem Vorstand der Ärztekammer Nordrhein die Interessen jüngerer Kollegen vertrat. Der Zulauf war enorm, und so gründeten sich auch in anderen Regionen Jungärztevereinigungen. Bei einem Treffen 1947 an der Marburger Universität entwarfen Britz und seine Mitstreiter eine Satzung für die Arbeitsgemeinschaften. Diese „Marburger Satzung“ empfahlen sie den örtlichen Initiativen. Bei einer späteren Zusammenkunft erfolgte die Umbenennung in „Marburger Gemeinschaft – Vereinigung angestellter Ärzte“, und der Verband löste sich von den Kammern. Im Mai 1948 gaben sich die jungen Ärzte den Namen „Marburger Bund – Vereinigung angestellter Ärzte“. Britz wurde auf der ersten Haupt­ver­samm­lung zum Bundesvorsitzenden gewählt und hatte dieses Amt bis 1952 inne.

Sein Engagement beschränkte sich aber nicht auf den MB. Auch an der Wiedergründung des Hartmannbundes 1949 war er beteiligt und fungierte als stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Nordrhein. 1972 gründete Britz, der bis 1986 als Allgemeinarzt in Köln niedergelassen war, den „Verband deutscher Gruppenpraxen“. Darüber hinaus war er Vorstandsmitglied der Ärztekammer Nordrhein. Seit 1964 fungierte Britz als Vorsitzender des Finanzausschusses der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein. Viele Jahre leitete er als Vorsitzender die Kölner Kreisstellen der KV und der Ärztekammer Nordrhein. Britz hat in der ärztlichen Selbstverwaltung nach dem Krieg Pionierarbeit geleistet. Mitte der Achtzigerjahre geriet er allerdings in die Kritik. Nach Vorwürfen, für seine KV-Tätigkeit in unrechtmäßiger Weise Gelder in Anspruch genommen zu haben, zog er sich aus den Gremien der Selbstverwaltung zurück.

Dennoch ist Britz eine zentrale Figur in der Standespolitik der Nachkriegszeit. Ohne ihn wäre der MB wohl nicht das, was er heute ist: Eine tariffähige Interessenvertretung mit mehr als 100 000 Mitgliedern. Für sein Engagement erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Ehrenreflexhammer des MB, die Hartmann-Thieding-Plakette, das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse sowie das Große Bundesverdienstkreuz. Er ist MB-Ehrenmitglied. Birgit Hibbeler

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