AKTUELL: Akut

Regeln für die Vermittlung von thorakalen Organen novelliert

Dtsch Arztebl 2011; 108(15): A-814 / B-666 / C-666

Siegmund-Schultze, Nicola

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Die Richtlinien für die Wartelistenführung und Organvermittlung zur Herz- und Herz-Lungen-Transplantation sind neu gefasst und vom Vorstand der Bundes­ärzte­kammer einstimmig verabschiedet worden. Sie sollen am 23. April in Kraft treten (Bekanntmachung in diesem Heft). Die Änderungen betreffen vor allem herzkranke Kinder und Jugendliche, aber auch Patienten mit präformierten Antikörpern, für die man besonders schwer ein passendes Organ findet.

So sollen künftig hochimmunisierte Patienten, die zum Beispiel nach Voroperationen, Implantation von Herzunterstützungssystemen oder mehreren Transfusionen einen hohen Titer von Anti-HLA-Antikörpern gebildet haben, in jeder Dringlichkeitsstufe bei der Allokation vorrangig berücksichtigt werden. Voraussetzung für die Transplantation ist eine negative Kreuzprobe.

Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 15. Lebensjahr werden grundsätzlich als hochdringlich (HU-Status) eingestuft. Innerhalb der Gruppe der Kinder und Jugendlichen erhalten diejenigen Vorrang, die zum Zeitpunkt des Organangebots stationär behandelt werden müssen. Heranwachsende, die älter als 16 Jahre sind, gelten wie Kinder und Jugendliche als hochdringlich, wenn sie sich – überprüfbar – noch im Wachstum befinden.

Der HU-Status wird wie bisher in einem Auditverfahren vergeben. Das Überprüfungsintervall wird nach der Zuerkennung des HU-Status von einer auf acht Wochen verlängert.

Der Dringlichkeitsstatus „U“ (für urgent) entfällt, die entsprechenden Patienten werden künftig automatisch als „transplantabel“ („T“) gelistet – es sei denn, es wird ein HU-Antrag gestellt und genehmigt. „Wir haben künftig also nur noch zwei Dringlichkeitsstufen für Patienten, die auf ein thorakales Organ warten, nämlich hochdringlich und transplantabel“, erläutert Prof. Dr. med. Hermann Reichenspurner vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Einer der Gründe für diese Änderung ist, dass sich die Wartezeiten für dringlich und transplantabel gemeldete Patienten in der Vergangenheit kaum unterschieden haben.“ Ein weiterer Grund für die Novellierung ist, dass Änderungen der Allokationsrichtlinien für die isolierte Lungen­trans­plan­ta­tion geplant sind. Dadurch hat sich ein Anpassungsbedarf für die kombinierte Herz-Lungen-Transplantation ergeben, dem mit den jetzt veröffentlichten Richtlinien zur Herz- und Herz-Lungen-Transplantation entsprochen wird. Und die Bevorzugung von Kindern und Jugendlichen vor Erwachsenen sei längst fällig gewesen, sagte Reichenspurner. nsi

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