ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2011Randnotiz: Keine Lust auf Zwang
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Der Grundsatz gilt für viele Lebensbereiche – von der Beziehung bis zur Personalplanung: Mit Zwang bindet man niemanden, zumindest nicht langfristig. Wirklich hinter einer Sache steht nur, wer überzeugt ist. Und nicht der, der überredet werden muss. Auch wenn das jeder weiß, hält sich die Idee einer „Landarztquote“ im Medizinstudium hartnäckig. In den Eckpunkten zum Versorgungsgesetz taucht sie wieder auf: Bewerber sollen sich verpflichten, nach Studium und Weiterbildung in unterversorgten Gebieten ambulant zu arbeiten. Dann bekommen sie (auch ohne Einser-Abi) einen Studienplatz, geplant sind zudem Stipendien.

Zwar betont Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), im Versorgungsgesetz gehe es um Anreize, die Landarztquote klingt allerdings eher nach Zwang. Junge Menschen sollen im Alter von 18 oder 19 Jahren mit Bestimmtheit sagen, wo sie nach sechs Jahren Studium und weiteren fünf Jahren Facharztweiterbildung arbeiten wollen. Rösler sollte aus eigener Erfahrung wissen: Das gelingt nicht immer. Einst Medizinstudent bei der Bundeswehr, steht er heute schließlich nicht in einem Feldlazarett in Afghanistan, sondern muss die FDP retten. Und Rösler ist nicht der Einzige. Die Bundeswehr hat trotz ihres Verpflichtungsmodells in den letzten Jahren viele Ärzte verloren, die sich lieber „freikaufen“.

Auch die Bundesvertretung der Medizinstudierenden hat mehrfach klargestellt: Der Nachwuchs hat keine Lust auf Zwang – ob nun bezogen auf ein Pflichtfach Allgemeinmedizin im praktischen Jahr oder die Landarztquote. Übrigens: Eine der erfolgreichsten Publikumszeitschriften derzeit heißt „Landlust“. Unter dem Titel „Landzwang“ wäre sie wohl kein Renner geworden.

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