SUPPLEMENT: Reisemagazin

CAPRI: Ohne Blaue Grotte

Dtsch Arztebl 1997; 94(46): [32]

Petersen, Ursula

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LNSLNS So etwa zehn- bis fünfzehntausend Touristen fallen täglich auf Capri ein. Und alle wollen eines: die Blaue Grotte sehen! Was in keinem Reiseführer steht: daß diese berühmte Grotte nicht immer zu besuchen ist. So regnete es am vorgesehenen Besichtigungstag. Teilnehmer einer japanischen Reisegruppe (in 14 Tagen ganz Europa), die nur für einige Stunden auf der Insel weilten, waren dem Harakiri nahe, da es ihnen verwehrt war, das blaue Wunder zu erleben. Bei Regenwetter fahren die Boote nicht, durch das fehlende Sonnenlicht wirkt die Grotte nämlich nicht blau. Unsere kleine Gruppe hatte das Glück, wenigstens zwei Tage das Mittelmeerkleinod zu besichtigen. So blieb uns die Hoffnung auf den folgenden Tag. Es war strahlend blauer Himmel, aber dazu blies kräftig der Tramontana - und bei Seegang kann kein Boot in die Grotte fahren, da der Höhleneingang bei ruhiger See nur 80 Zentimeter an der höchsten Stelle mißt. Den Eingang vergrößern geht nicht, dadurch würde sich dann der Lichteinfall ändern, und vorbei wäre es mit der blauen Illusion. Es war also nichts mit dem Besuch der berühmten Grotta Azzurra. Aber Capri hat natürlich mehr zu bieten als nur die Blaue Grotte. Ein Bummel durch die schmalen Gäßchen, ein bißchen Shopping in Andenkenläden mit zum Teil reizvollen Majoliken oder exklusiven Modegeschäften hat auch seinen Reiz. Tradition auf Capri hat die Verarbeitung von Zitronen. Ein echter Genuß kann der capresische Zitronenlikör sein, wenn man ihn herb und kalt serviert bekommt. Als typische Mitbringsel findet man von Pralinen mit Zitronencreme gefüllt über grüne Schokolade (Kakaobutter und Zitrone) bis hin zu Parfüms und Seifen wohl alles, was man aus den gelbgrünen Früchten herstellen kann. Kulturell kann die Insel im Golf von Sorrent auch einiges bieten an römischen Altertümern und Klöstern. Allerdings fehlt Geld, um die Anlagen wie beispielsweise das Kartäuserkloster aus dem 14. Jahrhundert instand zu halten oder überhaupt erst einmal zu restaurieren. Zweckentfremdet wurden die Klosterbauten bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts, mal als Kaserne, als Strafanstalt oder Invalidenheim. Heute ist ein kleiner Teil das Gymnasium, der große Kreuzgang wird als Schulhof benutzt. Anacapri, die zweite Inselgemeinde auf der Hoch-ebene 280 m über dem Meer, ist größer als Capri, hat aber weniger Einwohner. Beide Gemeinden sind seit ewigen Zeiten zerstritten. Es gab immer irgendwelche Auseinandersetzungen. Ein Beispiel aus der jüngeren Zeit sind die Auseinandersetzungen um die Nutzungsrechte (sprich die Geldeinnahmen) der Blauen Grotte. Die berühmte Touristenattraktion liegt auf anacapresischem Boden, die vielen Touristen werden aber per Boot von Capri aus zur Grotte gebracht. Da sich die beiden Gemeinden der Insel nicht über die Aufteilung der Gelder einigen konnten, entschied letztlich der italienische Staat: 40 Prozent der Einnahmen für ihn, je 30 Prozent für Capri und Anacapri.
Eine der bedeutendsten Sehenswürdikeiten von Anacapri ist die Villa San Michele. Sie ist der ehemalige Wohnsitz des schwedischen Arztes Axel Munthe. San Michele gehört heute dem schwedischen Staat und ist der Öffentlichkeit als Museum zugänglich. Weltberühmtheit erlangte Axel Munthe als Schriftsteller mit seiner Lebensgeschichte "Das Buch von San Michele"(verfilmt mit O.W. Fischer), das in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurde. Wer das Buch gelesen hat, erkennt hier oben in Anacapri vieles wieder. Beeindruckend ist das Medusenhaupt aus Marmor über dem Schreibtisch von Munthes Arbeitszimmer. Viele Stücke fand er beim Bau seines Hauses, das auf dem Grund einer römischen Villa errichtet wurde, andere Altertümer ließ er aus dem Meer fischen. So ist die Ausstattung der Villa eine Sammelsurium von Kunstwerken unterschiedlichster Art. Mein "Liebslingsstück" befindet sich hinter der weißen Villa am Ende einer breiten und langen Pergola. Es ist Axel Munthes Sphinx aus rotem Granit, die auf das Mittelmeer hinausschaut. Ein Wunsch geht in Erfüllung, wenn man die linke Hand auf die linke Flanke der Sphinx legt. Was ich mir gewünscht habe? Einmal die Blaue Grotte sehen! Ursula Petersen
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