ArchivDeutsches Ärzteblatt47/1997Psychotherapie: Abschiednehmen von Staatsfürsorge

SPEKTRUM: Leserbriefe

Psychotherapie: Abschiednehmen von Staatsfürsorge

Enderer-Steinfort, Gerda

Zu dem Leserbrief "Zweiklassenmedizin?" von Dr. med. Andreas von Heydwolff in Heft 40/1997
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LNSLNS Bis auf einige robuste Kerle und eine Minderheit an wirklich freien, offenen und glücklichen Menschen gibt es in einer gebeutelten Industriegesellschaft kaum jemanden, dem eine Psychotherapie nicht entscheidend weiterhelfen könnte . . . Begrenzt wird dieses kollektive, latente Bedürfnis nur durch die bekannte individuelle Abwehr, die eigenen, inneren Konflikte und ihre Wirkung auf die Gesundheit und das Alltagsleben zu erkennen.
Dies mag man aus finanziellen Gründen begrüßen oder aus humanitären Gründen bedauern. Fest steht jedenfalls, daß eine flächendeckende psychotherapeutische Versorgung ohne jede Eigenbeteiligung an ihre finanziellen Grenzen stoßen muß . . .
Eine erfolgversprechende Psychotherapie erfordert immer eine Restmenge an Vitalität und Einsatzbereitschaft. Diese kann entweder in einer Eigenbeteiligung oder im Falle von nachgewiesener sozialer Bedürftigkeit in der Überwindung der Scham bestehen, einen Härtefallantrag zu stellen.
Eine reibungslose Beglückung der Betroffenen zu Lasten Dritter (in diesem Fall der Solidargemeinschaft) ist jedenfalls als außerordentlich folgenschwerer Schritt in Richtung allumfassende Staatsfürsorge zu werten, von der wir doch gerade jetzt Abschied nehmen wollen und müssen! . . .
Dr. med. Gerda Enderer-Steinfurt, Venloer Straße 355, 50823 Köln
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