ArchivDeutsches Ärzteblatt3/1996Medica 1995: Telemedizin – der Status quo

VARIA: Technik für den Arzt

Medica 1995: Telemedizin – der Status quo

Orbach, Heinz

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LNSLNS Als die Telekom vor mehr als fünf Jahren das Medkom- Projekt startete, gab es zahlreiche technische Schwierigkeiten. Bereits zum Zeitpunkt des sogenannten Mainzer Tisches, über den wir bereits vor vier Jahren berichteten, gab es Standleitungen zwischen Krankenhäusern und den beteiligten Kliniken in Hannover. Damals schon konnte Mainz mit Erfurt und Heidelberg via Standleitung kommunizieren. Die Telekom hat ihre Hausaufgaben gemacht, konnte auf der Medica 1995 Dr.- Ing. Karl Hinrich Vöge von der Telekom AG feststellen. Allerdings lagen die Investitionen zur Bereitstellung der technischen Strukturen und die zum Teil noch laufenden Forschungsvorhaben bei mehreren Millionen DM. Die Grundvoraussetzung, um auf dem Datenhighway der Telekom mitzumischen, ist die Kommunikationssoftware Doxx. Diese kostet ein-schließlich einer ISDN-PC-Karte 500 DM. Bei einem Kauf von Doxx und gleichzeitigem Anschluß an das Euro-ISDN-Netz schreibt die Telekom 300 DM gut. Ein solcher Anschluß ist für die Anwendung in der Medizin auf jeden Fall empfehlenswert. Modems sind allerdings bei großen anfallenden Datenmengen weniger geeignet. Die Kollegen können Doxx bei ihrem Softwarehersteller anfordern. Auf jedem han-delsüblichen Praxis-PC kann es installiert werden. Voraussetzung ist jedoch, daß es sich dabei mindestens um einen 486er handelt. Essentiell sind: Mindestens 8 MB RAM und 10 MB freier Speicherplatz auf der Festplatte. Doxx läuft sowohl unter MS-DOS als auch unter der grafischen Benutzeroberfläche Windows 3.11. Die Unterstützung von Windows 95 und Windows NT steht unmittelbar bevor.

Was kann Doxx?
Die Übertragung von Befunden oder ganzen Krankenakten zwischen Ärzten, Laboren und Krankenhäusern ist mit Doxx möglich. Eine effektive Fernwartung der Praxis-EDV über die ISDN-Leitung und das Netz kann ebenso stattfinden wie das automatische Einspielen einer aktualisierten Software. Mit Kammern, KVen, Pharmaunternehmen kann über Rechner kommuniziert werden. Beispielsweise ist bei der Quartalsabrechnung in der Praxis die Diskette nicht mehr erforderlich, da die Daten via ISDN der KV zugesendet werden. Doxx läuft auf dem Praxisrechner parallel zu der gerade laufenden Applikation, kann demzufolge das Arbeiten mit der Praxis-Software nicht stören.


Aspekte der Datensicherheit
Bevor die Bits den Praxis-PC verlassen, erfolgt automatisch im Rechner eine Kodierung. Laut Dipl.-Ing. Jörg Enge "kommt dabei eine Chipkarte mit besonders sicherheitsrelevanten Leistungsmerkmalen und Eigenschaften zum Einsatz, die sich in ihren Funktionen deutlich von der Kran­ken­ver­siche­rungskarte abhebt". Wobei diese Chipkarte prinzipiell einen eigenen Computer mit Prozessor und Speicherbereichen darstellt. Das Betriebssystem der Chipkarte kommt nicht vom Hersteller der Chipkarte, sondern ist ein vom TelekomProduktzentrum Telesec entwickeltes System. Die Speicherbereiche auf der Karte können für immer lesegeschützt werden. Doxx ist ein Produkt der GMD (Gesellschaft für me-dizinische Datenverarbeitung mbH). Vielleicht ist eines der Erfolgsgeheimnisse der GMD: Fünf Ärzte arbeiten mit den Programmierern zusammen. Diese Zusammenarbeit gewährleistet, daß die entwickelte Software hart an der medizinischen Realität läuft. Für Krankenhaus und Praxis hatten auf der Medienstraße der Medica auch einige Softwareanbieter einen Stand. Bei zwei Firmen ließ ich mir etwas zur Software erklären, fragte dann: Hat diese Software auch eine Schnittstelle zu Doxx? In beiden Fällen kam eine gleichlautende Gegenfrage, was das denn sei. Mit Doxx kann man auch Bilder "verschicken". Hochauflösende Scanner sind teuer, zu teuer für einen Chirur- gen oder Orthopäden, der gelegentlich ein paar Aufnahmen mit einem Kollegen oder Krankenhaus besprechen möchte. Es wundert mich, daß es offensichtlich keinen Hardwarehersteller gibt, der ein "Repropaket" packt. Für schätzungsweise 5 000 bis 6 000 DM kann man ein Reprostativ mit Durch- und Auflichteinrichtung, mit einer hochauflösenden CCD-Kamera einschließlich Karte und etwas Software zusammenstellen. Laut Auskunft von Dr. med. F. Warda, Prokurist der Gesellschaft für medizinische Datenverarbeitung, gibt es noch etwa 80 Anbieter von Praxis-Software, etwa zehn Anbieter davon behaupten den Markt. Die meisten Systeme laufen zeichenorientiert, folglich können die Vorteile von Windows nicht genutzt werden. Diagnostikgeräte sollten einen digitalen Ausgang haben, damit die Meßwerte direkt gespeichert und verschickt werden können. Ist ein solcher nicht vorhanden, kann eine Individualprogrammierung erforderlich sein, was folglich Kosten nach sich zieht.

Einheitlicher Standard Es gibt für die Kommunikationssysteme im Software- bereich bislang keinen einheitlichen Standard. Die Industrie ist also aufgefordert, Normierungen für diese zu entwickeln. Die 23 KVen sollten sich bezüglich der Anforderungen bei der Abrechnung, zum Beispiel bei "Sortiervorschriften", einigen. Jede Programmänderung, jede zusätzlich zu erstellende Software kostet Geld. Es ist also Vorsicht beim Kauf von Software und Medizingeräten geboten. Alles wäre sehr viel einfacher und preisgünstiger, würden die Kammern bundeseinheitlich von den Herstellern Zertifikate verlangen, die bestätigen, daß die angebotene Soft- und Hardware für Praxen geeignet sind. Erforderlich wäre dafür lediglich nur etwas Organisationsarbeit, die Kosten hätten die Hersteller ohnehin beim TÜV zu entrichten. Dr. med. Heinz Orbach

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