Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Christ et al. begründen die Notwendigkeit der Triage in der Notaufnahme mit den steigenden Patientenzahlen und dem wenig planbaren Aufkommen. In dem Übersichtsartikel werden Triagesysteme dargestellt, die eine Prozesssteuerung anhand der Behandlungsdringlichkeit ermöglichen. Ein kritischer Punkt dieser Systeme ist die fehlende fachliche Spezifität. Die Triage ergibt theoretisch eine wenig mit Daten unterlegte „schadensfreie“ Wartezeit bis zum Erstkontakt mit irgendeinem Arzt. Wendet man beispielsweise das verbreitete ManchesterTriageSystem (MTS) beim akuten Schlaganfall an, so erhalten die Patienten leicht die Kategorie 3 „gelb“ mit erlaubter Wartezeit von 30 Minuten. Tatsächlich wird der akute Schlaganfall aber bestenfalls bereits im Rettungsdienst erkannt (1), vorab angekündigt und in der Notaufnahme sofort von einem Akut-Team versorgt. Hier ist eine vorgeschaltete MTS nicht nur überflüssig, sondern potenziell gefährlich. Ähnliches gilt für Patienten mit Brustbeschwerden, die innerhalb von 10 Minuten eine EKG-Diagnostik benötigen (2) auch wenn sie nur „gelb“ triagiert werden.

Der zweite kritische Aspekt der Triage ist die Tatsache, dass sie überhaupt notwendig wird. Dieser Ausdruck des Mangels an Ressourcen in der klinischen Notfallmedizin wird damit nicht gelöst, sondern lediglich deutlicher. Darüber hinaus muss die bislang in den Vergütungssystemen nicht kalkulierte Triage zusätzlich zu den übrigen Tätigkeiten geleistet werden. Tatsächlich beobachten wir, dass bei sehr starkem Patientenaufkommen die Triagezeiten der mittleren und niedrigeren Kategorien 3 bis 5 nicht eingehalten werden können und die Triagekraft in der unmittelbaren Patientenversorgung fehlt.

Christ et. al. stellen treffend fest, dass zunehmend Patienten den primären Zugang zum Gesundheitswesen über die niederschwellige Notaufnahme wählen. Die Einführung einer regelmäßigen „Triage“ sämtlicher Notfallpatienten ist ein Symptom für das Problem mangelnder Ressourcen in der Akutmedizin.

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0281a

Prof. Dr. med. Martin Möckel, FESC, FAHA

Notfallmedizin/Rettungsstellen/CPU

CharitéCentrum 13

Augustenburger Platz 1

13353 Berlin

Martin.Möckel@charite.de

Interessenkonflikt

Der Autor erhielt Honorare für eine Beratertätigkeit von Brahms, Bayer Healthcare, Securepoint, The Medicines Company. Er erhielt Honorare für klinische Auftragsstudien von Horizons-Ami und Gelder für Forschungsvorhaben von Brahms, Abbott Laboratories und Bayer Healthcare.

1.
Royl G, Ploner CJ, Möckel M, Leithner C: Neurologische Leitsymptome in einer Notaufnahme. Nervenarzt 2010; 81: 1226–30. MEDLINE
2.
Möckel M, Vollert J, Hamm C, AG SOP Kardiologie: „Standard
operating procedures“ für den akuten ST-Streckenhebungsinfarkt. Anwendung prozessbasierter Grundsätze. Kardiologe 2010; 4: 124–34.
3.
Christ M, Grossmann F, Winter D, Bingisser R, Platz E: Modern
triage in the emergency department. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(50): 892–8. VOLLTEXT
1.Royl G, Ploner CJ, Möckel M, Leithner C: Neurologische Leitsymptome in einer Notaufnahme. Nervenarzt 2010; 81: 1226–30. MEDLINE
2.Möckel M, Vollert J, Hamm C, AG SOP Kardiologie: „Standard
operating procedures“ für den akuten ST-Streckenhebungsinfarkt. Anwendung prozessbasierter Grundsätze. Kardiologe 2010; 4: 124–34.
3.Christ M, Grossmann F, Winter D, Bingisser R, Platz E: Modern
triage in the emergency department. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(50): 892–8. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige