ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2011Bestens ohne Triagemodelle
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Die Schlussfolgerungen der Übersichtsarbeit sind für Notfallpatienten nicht hinnehmbar. Sie wollen ihre Krankheitsschwere primär nicht durch pflegende, sondern durch kompetente Ärzte eingestuft bekommen. Das gilt auch bei hohem Patientenaufkommen in Notfallaufnahmen.

In Kriegszeiten und Katastrophensituationen mit vielen Schwerverletzten gleichzeitig mag das anders sein. Selbst dann wird nicht von Triage (Begriff aus der Militärmedizin), sondern Pre-Triage beziehungsweise besser Bergungssichtung vor Ort mit Richtzeiten für Untersuchung je Patient von 20 bis 60 Sekunden (sehen, hören, denken) gesprochen. Diese kurzen Überblickszeiten lassen weder aufwendige Dokumentation noch Einstufung nach den skizzierten Triagemodellen zu, die in Friedenszeiten keine Öffentlichkeit hinnimmt. Das gilt erst recht nicht für das aufgeführte Triage-Argument kürzerer Wartezeiten in Notfallaufnahmen. Dort haben klinisch erfahrene Ärzte zu arbeiten, die in Kürzestzeit mehrere Patienten hinsichtlich Therapiedringlichkeit einstufen (Patienten anhand von Triage-Scores wegzuschicken ohne vorherigen Arztkontakt wäre juristisch-forensisch problematisch).

Zur Triage-Evidenz (von sieben Studien haben sechs nur 15 bis 30 Probanden) werden keine Absolutzahlen angegeben, beispielsweise Sterblichkeit reduziert und Verlegung auf Intensivstation unnötig.

Die angeführten Triagen durch Nichtärzte in Kanada und Australien (lange Anfahrtswege zum Arzt) sind kaum auf Deutschland übertragbar.

Der Autor mit 35 Jahren Tätigkeit an Universitätsfrauenkliniken mit jeweils 2 400 Geburten jährlich kam bei ungeplanten hohen Patientenaufkommen in Kreissaal und Ambulanz gleichzeitig bestens ohne Triagemodellen zurecht. Wie das funktionierte, ist dem Wissenschaftsbuch des Jahres 2007 entnehmbar. Die dort skizzierten neurobiologischen Erkenntnisse gelten auch für ärztliches Denken und Handeln (auf der Basis hoher Kompetenz) in Situationen mit sehr vielen Notfallpatienten gleichzeitig.

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0281b

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. J. M. Wenderlein

Prittwitzstraße 41

89075 Ulm

wenderlein@gmx.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Gigerenzer G: Bauchentscheidungen – Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition. Goldmann-Verlag 2008
2.
Christ M, Grossmann F, Winter D, Bingisser R, Platz E: Modern
triage in the emergency department. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(50): 892–8. VOLLTEXT
1.Gigerenzer G: Bauchentscheidungen – Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition. Goldmann-Verlag 2008
2.Christ M, Grossmann F, Winter D, Bingisser R, Platz E: Modern
triage in the emergency department. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(50): 892–8. VOLLTEXT

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