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Wir danken den Kollegen für ihre Kommentare und Ergänzungen. Die von Kollegen Wasser zitierten Arbeiten zum Manchester Triage System (MTS) wurden leider erst nach dem genannten Zeitpunkt der Literatursuche publiziert. Sie weisen zudem relevante methodische Probleme auf (Martins et al.: 91,7 % Selbstvorstellungen, Patienten mit Einweisungen wurden ausgeschlossen; Storm-Versloot et al.: Ausschluss von perakuten und leichten Fällen). Die Güte und Zuverlässigkeit der genannten Instrumente ist von der Prävalenz der Erkrankungen sowie von der verwendeten Sprache und Kultur abhängig. Dies bedeutet, dass eine Verwendung ohne Anpassung an das eigene System (sprachliche und kulturelle Adaptation) und anschließender wissenschaftlicher Validierung problematisch ist. Das MTS wurde zu einem Zeitpunkt entwickelt, in dem vor allem traumatologische Patienten in Notaufnahmen behandelt wurden. In Großbritannien wird zwischenzeitlich das MTS in modifizierter Form verwendet, da sich die Patientenkollektive deutlich gewandelt haben und das MTS in ihrer ursprünglichen Form relevante Schwächen insbesondere bei älteren Patienten beziehungsweise Patienten mit Komorbiditäten aufweist. Deshalb erscheint es uns notwendig, neu einzuführende Instrumente nach objektivierbaren Kriterien zu überprüfen. Dies erfolgte mit der deutschen Übersetzung und Validierung des „Emergency Severity Index“ (1).

Vergleiche mit eigenem, subjektiven Erleben in der Geburtshilfe anzustellen ist wenig hilfreich, da hierbei das Objektivierbare fehlt und die Breite der möglichen Erkrankungen/Verletzungen und die kurzen Intervalle der Eintritte (häufig minütlich in unseren Institutionen) unberücksichtigt bleiben. Das Spektrum der klinischen Notfallmedizin erstreckt sich von hausärztlicher ambulanter Versorgung bis zur komplexen Versorgung eines Schwerverletzten und Reanimation. Deshalb kann eine exzellente klinische Notfallmedizin nur durch arbeitsteiliges, interprofessionelles Arbeiten erreicht werden.

Der Begriff „Triage“ ist als wissenschaftlicher Terminus seit über 30 Jahren in der Notfallmedizin angewandt und evaluiert. Triage war und ist stets mit dem übergeordneten Ziel verknüpft, die medizinische Versorgung zu optimieren (4), und nicht als Instrument gedacht, Notfallpatienten durch Pflegende zu entlassen beziehungsweise abzuweisen. Wir konnten zeigen, dass speziell weitergebildete Triage-Pflegende diese Aufgabe korrekt durchführen können (kein Notfallpatient der Triagekategorie 4 beziehungsweise 5 ist verstorben [1]), und dass dieses moderne wissenschaftliche Konzept zu einer Reduzierung der Sterblichkeit bei ambulant erworbener Pneumonie beiträgt (2).

Wir teilen die Auffassung von Moeckel, dass bei steigenden Patientenzahlen und steigenden Anforderungen an Notaufnahmen die aktuellen Strukturen in Deutschland überfordert sind. Bei vorhandenen Aufnahme-Kapazitäten ist die Verwendung eines Triagesystems nicht zwingend notwendig und wird deshalb oft nur bei Überlast eingesetzt (3). Eine adäquate Personal- und Raumausstattung sowie die ständige Anpassung von Abläufen und Prozessen in Notaufnahmen ist mit und ohne professionelle Triage eine „conditio sine qua non“.

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0282b

Prof. Dr. med. Roland Bingisser

Universitätsspital

Petersgraben 4

CH-4056 Basel

Prof. Dr. med. Michael Christ

Prof. Ernst Nathan Straße 1

90419 Nürnberg

michael.christ@klinikum-nuernberg.de

Interessenkonflikt

Die Autoren erhielten Honorare für eine Beratertätigkeit von Roche AG, Teilnahmegebührenerstattung von MSD für ein Symposium über Vorhofflimmern, Votragshonorare von Alere GmbH, Gelder für Forschungsvorhaben von Roche AG und Drittmittel von der Schweizer Paraplegiker-Stiftung.

1.
Grossmann FF, Nickel CH, Christ M, Schneider K, Spirig R, Bingisser R: Transporting clinical tools to new settings: cultural adaptation and validation of the Emergency Severity Index in German. Ann Emerg Med 2010 (in press). MEDLINE
2.
Christ M, Dodt C, Geldner G, Hortmann M, Stadelmeyer U, Wulf H: Presence and future of emergency medicine in Germany. Anasthesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2010; 45: 666–71. MEDLINE
3.
Wiler JL, Gentle C, Halfpenny JM, et al.: Optimizing emergency department front-end operations. Ann Emerg Med 2010; 55: 142–60. e1. MEDLINE
4.
Christ M, Grossmann F, Winter D, Bingisser R, Platz E: Modern
triage in the emergency department. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(50): 892–8. VOLLTEXT
1.Grossmann FF, Nickel CH, Christ M, Schneider K, Spirig R, Bingisser R: Transporting clinical tools to new settings: cultural adaptation and validation of the Emergency Severity Index in German. Ann Emerg Med 2010 (in press). MEDLINE
2. Christ M, Dodt C, Geldner G, Hortmann M, Stadelmeyer U, Wulf H: Presence and future of emergency medicine in Germany. Anasthesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2010; 45: 666–71. MEDLINE
3. Wiler JL, Gentle C, Halfpenny JM, et al.: Optimizing emergency department front-end operations. Ann Emerg Med 2010; 55: 142–60. e1. MEDLINE
4.Christ M, Grossmann F, Winter D, Bingisser R, Platz E: Modern
triage in the emergency department. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(50): 892–8. VOLLTEXT

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