SPEKTRUM: Leserbriefe

DDR: Gegenbeispiel

Gronau, H.-J.

Zu dem Leserbrief "Überfällig" von Dr. med. Dieter Frank in Heft 39/1997
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LNSLNS Ich möchte der im Leserbrief von Herrn Dr. Frank geäußerten Behauptung widersprechen, "daß zu DDR-Zeiten kein Arzt gezwungen wurde, IM der Staatssicherheit zu werden". Als Beweis, wie man auch unter Zwang zum IM "angeworben" werden konnte, folgendes Gegenbeispiel:
Mein Vater, seinerzeit Betriebsarzt in Jena, wurde 1954 aus politischer Haft nur unter der Bedingung vorzeitig entlassen, daß er eine Verpflichtungserklärung unterzeichnete, seine zukünftigen Patienten auszuforschen und dem MfS darüber unter einem Decknamen zu berichten. Da er als kranker Mann weitere Jahre unter den menschenunwürdigen Haftbedingungen im DDR-Gefängnis voraussichtlich nicht überlebt hätte, blieb ihm keine Alternative.
Von Freiwilligkeit konnte bei dieser IM-Verpflichtung wirklich keine Rede sein. Weil seine Berufsethik ihm die geforderte Verletzung der ärztlichen Schweigepflicht verbot, entzog sich mein Vater der IM-Verpflichtung durch Flucht in die BRD. Nicht jedem Arzt in ähnlicher Gewissensnot stand aber dieser Weg offen, insbesondere nicht mehr nach dem Mauerbau.
Dr. med. H.-J. Gronau, Luditzer Straße 11, 37242 Bad Sooden-Allendorf
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