ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2011Blutdruck bei jungen Erwachsenen: Riskant sind vor allem erhöhte diastolische Werte

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Blutdruck bei jungen Erwachsenen: Riskant sind vor allem erhöhte diastolische Werte

Vetter, Christine

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Ob es eine Assoziation zwischen diastolischem und/oder systolischem Blutdruck im jungen Erwachsenenalter und der Mortalität gibt, lautete die Frage einer Kohortenstudie in Schweden. In die Analyse gingen die Blutdruckwerte von mehr als 1,2 Millionen Männern im Alter von durchschnittlich 18,4 Jahren ein, die bei der Musterung erhoben wurden. Der mittlere systolische Blutdruck betrug 128, der mittlere diastolische Blutdruck 68 mmHg.

Das weitere Schicksal der Männer wurde im Mittel 24 Jahre (0 bis 37 Jahre) nachverfolgt. In diesem Zeitraum starben 28 934 der untersuchten Männer (2,4 %), davon 12,5 % infolge einer kardiovaskulären Komplikation. Eine eindeutige Relation zwischen Blutdruck und Mortalität bestand nur bei den diastolischen Werten mit einem linearen Anstieg des Mortalitätsrisikos ab einem Schwellenwert von 90 mmHg (Grafik). Die Relation zwischen dem mittleren arteriellen Blutdruck ergab eine J-förmige Kurve, beim Pulsdruck zeigte sich eine inverse Korrelation zur Sterblichkeit.

Schwächer als bei den diastolischen Werten war der Zusammenhang beim systolischen Blutdruck, bei dem eine U-förmige Kurve resultierte. Das Sterblichkeitsrisiko war bei einem systolischen Blutdruck von 130 mmHg am niedrigsten, sowohl bei höheren als auch niedrigeren Werten erhöhte sich die Mortalität. Diese basierte im unteren Blutdruckbereich vor allem auf vermehrten nichtkardiovaskulär bedingten Todesfällen, während bei Blutdruckwerten oberhalb von 130 mmHg der Anteil kardiovaskuläre bedingter Todesfälle zunahm.

Fazit: Die Studie bekräftigt, dass diastolische Blutdrucksteigerungen bei jüngeren Menschen ein ernstzunehmender Risikofaktor sind und auf eine erhöhte Mortalität hinweisen, wie Prof. Dr. med. Rainer Düsing (Universitätsklinik Bonn) kommentiert. Dies sei immer wieder angezweifelt worden. „Es gibt sogar Forderungen renommierter Wissenschaftler, die Aufmerksamkeit der klinischen Medizin vornehmlich auf den systolischen Blutdruck zu richten und sich auf diesen Wert als Ziel therapeutischer Anstrengungen zu beschränken“, sagt Düsing. Die schwedische Studie hat aus seiner Sicht für Klarheit in dieser Frage gesorgt und an einem sehr großen Kollektiv belegt, dass diastolische Blutdrucksteigerungen die früheste Manifestation einer Hypertonie darstellen und bereits in jungen Jahren mit einem deutlich gesteigerten kardiovaskulären Risiko assoziiert sind. Düsing: „Das ist ein bedeutsamer Befund, der die Fokussierung auf den systolischen Blutdruck als zu kurzsichtig und einseitig entlarvt.“

Christine Vetter

Sundström J et al.: Association of blood pressure in late adolescence with subsequent mortality: cohort study of Swedish male conscripts. BMJ 2011, 342; d643 doi: 10.1136/bmj.d643.

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