ArchivDeutsches Ärzteblatt12/1996Verbreitung der Lyme-Krankheit in sieben Landkreisen Südschwedens

MEDIZIN: Referiert

Verbreitung der Lyme-Krankheit in sieben Landkreisen Südschwedens

Seger, Gabriele

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LNSLNS Die Lyme-Krankheit ist eine durch Zeckenbiß auf den Menschen übertragbare und durch Spirochäten (Borrelia burgdorferi und Subspezies) hervorgerufene Erkrankung. Ihre größte Verbreitung findet sie in der nördlichen Hemisphäre. Genauere epidemiologische Daten sind spärlich. Ein schwedisches Autorenteam hat die Verbreitung dieser Erkrankung in sieben Landkreisen im Süden Schwedens untersucht. In dem beobachteten Zeitraum von Mai 1992 bis April 1993 konnten 1 471 Patienten mit Lyme-Krankheit identifiziert werden. Die diagnostischen Fallkriterien waren streng begrenzt: Erythema migrans von mindestens fünf Zentimeter Durchmesser oder charakteristische klinische Manifestationen wie Arthritis, Neuroborreliose und Karditis. Die höchsten Raten von Lyme-Krankheit fanden sich bei Kindern im Alter von fünf bis neun Jahren und bei Erwachsenen im Alter von 60 bis 74 Jahren. Eine spezifische Geschlechterverteilung konnte nicht beobachtet werden. Von den 1 471 gefundenen Fällen litten 77 Prozent an Erythema migrans, gefolgt von 16 Prozent mit Neuroborreliose und 7 Prozent mit Arthritis. 79 Prozent der Patienten konnte sich an einen Zeckenbiß erinnern, wobei Bisse in die Kopf- und Halsregion bei Kindern überwogen und mit einem steigenden Risiko für eine Neuroborreliose verbunden waren. Ob zwischen der Körperregion mit Zeckenbiß und den verschiedenen pathologisch befallenen Regionen am Körper generell ein kausaler Zusammenhang besteht, blieb unklar. Auffallend war eine Häufung von befallenen Patienten in den südöstlichen Küstenregionen der Landkreise Kalmar, Blekinge und Kristianstadt. Insgesamt ergab sich aus der Untersuchung eine Jahresinzidenz von 69 Fällen von Lyme-Krankheit auf 100 000 Einwohner.
Im Vergleich mit anderen Ländern, insbesondere den USA, ist diese Zahl als sehr hoch anzusehen, weil die Fallkriterien in der schwedischen Studie weitaus strenger definiert waren als die von den Centers for Disease Control in den USA herausgegebenen Falldaten und weil damit nach Meinung der Autoren die in Schweden identifizierten 1 471 Fälle noch eine Unterschätzung der wahren Inzidenz darstellen. Schweden ist wahrscheinlich das Land mit der höchsten Borreliose-Inzidenz. Se


Berglund J, Eitrem R, Ornstein K, Lindberg A et al.: An epidemiologic study of lyme disease in southern Sweden. N Engl J of Med 1995; Vol 333; 20: 1319–1324.
Dr. med. Johan Berglund, Ronneby Health Center, Rosengatan 15, S-372 30 Ronneby, Schweden.

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