ArchivDeutsches Ärzteblatt49/1997Onlinedienst „Deutsches Gesundheitsnetz“: Optimismus trotz juristischer Probleme

POLITIK: Aktuell

Onlinedienst „Deutsches Gesundheitsnetz“: Optimismus trotz juristischer Probleme

Maus, Josef

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LNSLNS Das Deutsche Gesundheitsnetz (DGN) will im kommenden Jahr einen Sicherheitsstandard realisieren, der auch den Austausch sensibler Daten ermöglicht. Auf der Medica in Düsseldorf nahmen Bundes­ärzte­kammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung Stellung zum bisherigen Werdegang und zu den Perspektiven ihres Onlinedienstes. Das DGN, das eine Plattform für die verbesserte Kommunikation unter Ärzten sein soll, sieht sich derzeit allerdings mit juristischen Problemen konfrontiert. Dennoch zeigen sich die Initiatoren optimistisch.


Professor Dr. Christoph Fuchs und Dr. Rainer Hess, die Hauptgeschäftsführer von Bundes­ärzte­kammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung, sind sich in der Bewertung des DGN einig: Der Onlinedienst ist die geeignete Kommunikationsplattform der Zukunft. Während Fuchs aus Sicht der Ärztekammern vor allem die Möglichkeiten des Netzes für die ärztliche Fortbildung und Qualitätssicherung betonte, verwies Hess gleich auf ein ganzes Spektrum von Anwendungsmöglichkeiten für die niedergelassenen Ärzte. Über die Organisation von Qualitätszirkeln hinaus könne das Netz den Arzt in seiner täglichen Arbeit entscheidend unterstützen, sagte der KBV-Hauptgeschäftsführer auf der Medica. Beispielhaft nannte Dr. Hess das Einholen von Zweitmeinungen, den Einsatz von Patientenbegleitbriefen und elektronischen Arztbriefen, die Übermittlung von Patientendaten und Bilddaten, das elektronische Rezept und - nicht zuletzt - die kassenärztliche Abrechnung. Mit dem DGN sei auch eine bessere Kommunikation zwischen Krankenhausärzten und Vertragsärzten möglich. Voraussetzung für den angestrebten Datenaustausch ist allerdings ein hoher Sicherheitsstandard, den das DGN bis August nächsten Jahres verwirklicht haben will. Das Kernstück des Sicherheitskonzepts besteht nach Darstellung von Helmut Huber, Geschäftsführer beim DGN-Partner o.tel.o, in sogenannten Trust-Centern, die den Empfängern von Nachrichten einen individuellen Schlüssel zuweisen. Damit werde jede einzelne Nachricht im Netz chiffriert. Von Mitte August 1998 an werde damit das gesamte Spektrum der modernen Telekommunikation für die DGN-Teilnehmer verfügbar sein. Huber: "Ärztliches Wissen und Informationen werden in einem Umfang und einer Geschwindigkeit bereitgestellt und transportiert, die den klinischen und praktischen Alltag immens entlasten werden."
Seit April dieses Jahres testen rund 300 Ärzte im Großraum Köln das DGN. Vor wenigen Monaten sind die Ballungsräume Hamburg, Berlin, Düsseldorf und München hinzugekommen. Ende dieses Jahres will das DGN 28 Einwahlknoten bereitstellen - im August 1998 sollen es dann bereits 50 sein.


Landgericht urteilte gegen das DGN
Die weitere Entwicklung des Onlinedienstes könnte allerdings von einem Urteil des Kölner Landgerichts empfindlich beeinträchtigt werden. Das Gericht war von einem privaten Unternehmen der Telekommunikation angerufen worden und hatte im November in mündlicher Verhandlung erkennen lassen, daß Bundes­ärzte­kammer und KBV als öffentlich-rechtliche Einrichtungen mit dem DGN in unzulässiger Weise in den privatrechtlichen Leistungsverkehr eingriffen und sich damit wettbewerbswidrig verhielten. Das DGN dürfe deshalb von Bundes­ärzte­kammer und KBV nicht betrieben werden. Das schriftliche Urteil liegt jedoch noch nicht vor. Josef Maus

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