ArchivDeutsches Ärzteblatt49/1997Bundespflegesatzverordnung: Neuregelungen im Überblick

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Bundespflegesatzverordnung: Neuregelungen im Überblick

Kolodzig, Christine

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LNSLNS Die 5. Änderungsverordnung zur Bundespflegesatzverordnung (BPflV) tritt voraussichtlich zum 1. Januar 1998 in Kraft. Was bringt sie Neues? Nachdem die Ziele der 5. Änderungsverordnung zur BPflV ("Selbstverwaltung ran!") in Heft 43/1997 dargestellt worden sind, werden im folgenden die für den klinisch tätigen Arzt wichtigen Neuerungen zusammengefaßt.


l Zunächst: Verlagerung von Abrechnungsregeln aus der Verordnung in die Entgeltkataloge: Mit diesem Schritt sind die Partner der Selbstverwaltung in der Lage, das Regelwerk im Rahmen der Weiterentwicklung der Kataloge anzupassen und zu "pflegen", ohne daß wie bisher ein Verordnungsverfahren notwendig wird.


Änderungen der Kataloge
l Akut-/Nachsorge-Pauschalen in Orthopädie/Unfallchirurgie: Für die Fallpauschalen Schenkelhalsfraktur, Coxarthrose, Gonarthrose und Lockerung einer Endoprothese an Hüft-/Kniegelenk (Fallpauschale 17.01/.02, 17.06/.07, 17.09-17.11) wird die Teilung in eine Fallpauschale A für die Akutbehandlung bis zum Abschluß der Wundheilung und eine Fallpauschale B für die Weiterbehandlung im Krankenhaus bis zum Erreichen der Rehabilitationsfähigkeit eingeführt. Die Summe der Punktzahlen bleibt dabei unverändert; es erfolgt lediglich eine Aufteilung. Die Fallpauschale B enthält eine Mindestverweildauer als Voraussetzung für die Abrechenbarkeit der Fallpauschale.
Besonderheit:
Für geriatrische Patienten mit einer Schenkelhalsfraktur wird eine Fallpauschale mit verkürzter Verweildauer für die Phase A eingeführt. Diese Fallpauschale ist dann abzurechnen, wenn der Patient zur Weiterbehandlung in eine Akutgeriatrie verlegt wird. Für die Behandlung in der Akutgeriatrie besteht keine WeiterbehandlungsFallpauschale; hier sind tagesgleiche Pflegesätze abzurechnen.
l Akut-/Nachsorge-Pauschalen in der Herzchirurgie (Fallpauschale 9.01-9.13): Auch hier erfolgt eine Teilung der bisherigen Fallpauschalen in eine Fallpauschale A für die Akutbehandlung und eine Fallpauschale B für die Weiterbehandlung nach Abschluß der Wundheilung.
l Veränderte Leistungsdefinitionen in der Geburtshilfe: Der strittige Begriff des "gesunden" Neugeborenen wurde verlassen. Ein Neugeborenes gilt jetzt als krank, wenn es verlegt wird; die Bewertungsrelation bleibt unverändert.
Besonderheiten:
Die Abrechnung der Fallpauschale ist nur bei einem Mindestaufenthalt von einem Belegungstag beziehungsweise zwei zusammenhängenden Belegungstagen bei Rückverlegung zulässig.


Neue Geltungsdauer
l Herz-/Knochenmarktransplantation: Diese planmäßig zum 31. 12. 1997 auslaufenden Entgelte gelten für zwei Jahre befristet weiter. Für die Herztransplantation wurde die Bewertungsrelation auf der Grundlage einer Neukalkulation gesenkt.
l Leber-/Nierentransplantation: Die Entgelte für die Leber- und Nierentransplantation gelten nur bis zum 31. Dezember 1998, die Bewertungsrelationen bleiben unverändert.
l "Alte" Sonderentgelte: Alte, krankenhausindividuelle Sonderentgelte können für 1998 nochmals vereinbart werden.


Änderungen der Abrechnungsregeln
l Neue Abrechnungsregeln für die Sonderentgelte der Gruppen 20/21: Diese Entgelte sind jeweils nur noch einmal während eines stationären Aufenthaltes abrechenbar; Wiederholungseingriffe sowie die Versorgung von Komplikationen sind mit dem Entgelt abgedeckt.
l Bedeutung von Text oder Kode: Die 5. Änderungsverordnung zur Bundespflegesatzverordnung legt für strittige Zuordnungsfragen folgende Rangfolge fest:
a) der OP-Kode nach OPS-301,
b) der Diagnosekode nach ICD-9 einschließlich einer "entsprechenden" Diagnose, falls die erbrachte Leistung nach Art und Aufwand der Fallpauschale-Leistung entspricht;
c) der Entgelttext, falls durch den OP-Kode und den Diagnosekode die Leistung nicht dargestellt werden kann.
l Zusätzliche Abrechnung von Sonderentgelten zu einer Fallpauschale: Die sogenannte Zugangsregel wurde präzisiert. Sie läßt die Abrechnung weiterer Sonderentgelte zusätzlich zu einer Fallpauschale oder einem Sonderentgelt nur in folgenden Fällen zu:
- OP an einem anderen OP-Termin;
- OP am gleichen Termin in einem anderen OP-Gebiet, das heißt über einen gesonderten OP-Zugang;
- Rezidiv-OP;
- Vorliegen einer entsprechenden Leistungsdefinition.
l Absenkung des Abteilungspflegesatzes bei Sonderentgelten: Ab 1. Januar 1998 wird bei der Abrechnung aller Sonderentgelte der Abteilungspflegesatz um 20 Prozent gekürzt, der Abschlag wird jedoch auf 12 Tage begrenzt. Eine Ausnahme bilden Abteilungen für Intensivmedizin, Psychiatrie sowie neonatologische Intensivabteilungen.
l Neue Regelung zur Zusammenarbeit von Krankenhäusern: Das Aufteilen einer Fallpauschale bei der Verlegung eines Patienten erfolgt künftig nur dann, wenn zwischen den Krankenhäusern eine auf Dauer angelegte Zusammenarbeit besteht. Entscheidend für das Vorliegen einer Zusammenarbeit ist nicht ein schriftlicher Vertrag, sondern die faktische Zusammenarbeit.
l Finanzierung der Qualitätssicherung: Die Vereinbarung von Zuschlägen für die QualitätssicherungsMaßnahmen bei Fallpauschalen und Sonderentgelten (§ 14 Abs. 6 BPflV) wird jetzt verbindlich vorgegeben. Damit wird die praktische Umsetzung der Qualitätssicherung auch finanziell abgesichert.


Dr. med. Christine Kolodzig
Software und Beratung im
Gesundheitswesen
Sophie-Charlotten-Straße 15
14059 Berlin

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