szmtag Kardinal Joachim Meisner im Gespräch mit Chefärzten: Das Leben nicht sinnlos verlängern
ArchivDeutsches Ärzteblatt49/1997Kardinal Joachim Meisner im Gespräch mit Chefärzten: Das Leben nicht sinnlos verlängern

POLITIK: Aktuell

Kardinal Joachim Meisner im Gespräch mit Chefärzten: Das Leben nicht sinnlos verlängern

Klinkhammer, Gisela

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Sollte ein Arzt einem Patienten in jedem Fall die Schmerzen nehmen, auch wenn er durch eine Überdosierung der Medikamente möglicherweise dessen Tod hinnehmen muß? Darf ein Arzt dem Patienten immer die Wahrheit sagen? Sollten katholische Krankenhäuser grundsätzlich in einem christlichen Sinne geführt werden? Diese und andere Fragen stellten rund 60 Chefärzte von katholischen Krankenhäusern dem Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner Mitte November anläßlich eines "caritas forums" in Köln.
Generell sollte ein Arzt einen Patienten nicht unter Schmerzen sterben lassen, stellte der Kardinal fest - auch dann nicht, wenn durch eine Überdosierung möglicherweise der Tod verursacht wird. Von den Chefärzten wurde diese Äußerung begrüßt, und auch mit der Stellungnahme der katholischen und evangelischen Kirche zur Euthanasie befindet sich der Kardinal in Übereinstimmung. Darin wird die sogenannte indirekte Sterbehilfe gebilligt. Körperliches Leiden zu lindern sei eine Verpflichtung für jeden Arzt, sagte auch Meisner: "Indirekte Sterbehilfe ist ganz im Sinne des Evangeliums. Um zu heilen, darf man das Leben nicht sinnlos verlängern." Die Auffassung des Kölner Erzbischofs zum Hirntodkonzept, die er vor den Chefärzten wiederholte, wird allerdings von der Mehrheit der katholischen Bischöfe nicht geteilt. Meisner vertritt die Ansicht, daß der Hirntod nicht als endgültiger Tod des Menschen zu akzeptieren sei. Er sei erstaunt, daß er mit dieser Auffassung ausgerechnet mit Bündnis 90/Die Grünen koaliert habe, stellte der Kardinal fest. "Wieviel christliches Gedankengut auch in grünen Köpfen herumgeistert", sei ihm erst bei der Diskussion im Vorfeld des Transplantationsgesetzes bewußt geworden.
Daß christliche Grundsätze möglicherweise nicht mehr generell in katholischen Krankenhäusern auszumachen seien, befürchteten einige Chefärzte. Auch Meisner sieht diese Gefahr und betonte, daß gerade die katholischen Krankenhäuser eine besondere Verantwortung gegenüber den Patienten hätten: "Der Mensch lebt zu 97 Prozent von Atmosphäre und nur zu drei Prozent von Argumenten. Deshalb wird man in einem Krankenhaus mit guter Atmosphäre auch am besten gesund." Zu einer guten Atmosphäre gehört, so der Kardinal, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der Ärzte mit den Seelsorgern. Aufgrund einer persönlichen Erfahrung sei ihm bewußt geworden, daß man sich zunächst um die elementaren Bedürfnisse der Patienten kümmern müsse. Erst dann seien sie in der Regel auch theologischem Zuspruch zugänglich. Dann könne man dem Patienten auch die Wahrheit sagen, beispielsweise über die Schwere seiner Krankheit. Man dürfe ihn mit dieser Wahrheit jedoch nicht allein lassen. Kli
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote