ArchivDeutsches Ärzteblatt49/1997Einkommenssituation/Kostenstruktur: Rückgang der Praxisüberschüsse

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Einkommenssituation/Kostenstruktur: Rückgang der Praxisüberschüsse

Clade, Harald

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LNSLNS Die Einkommenssituation der Ärzte hat sich zwischen 1993 und 1995 gegenüber dem Vergleichszeitraum von 1990 bis 1992 verschlechtert. So sank der zu versteuernde Überschuß je Arzt zwischen 1993 bis 1995 nominal um zwei Prozent. Dies geht aus der "Kostenstrukturanalyse in der Arztpraxis 1995" hervor, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI), Köln, zusammen mit der Gesellschaft für betriebswirtschaftliche Beratung GmbH (Gebera), Köln, durchgeführt hat.


Die staatliche Kostendämpfungspolitik und die rigidere Sparpolitik der gesetzlichen Krankenkassen haben auch in den Budgets der Praxen der niedergelassenen Ärzte Spuren hinterlassen. Die Umsätze sind seit vier Jahren sukzessive zurückgegangen. Die reale Einkommenssituation bei fast allen niedergelassenen Ärzten - unabhängig von der Gebietsgruppe - hat sich verschlechtert. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI), hat festgestellt, daß unter Berücksichtigung der Inflationsrate und des Preisindex für die Lebenshaltung aller Privathaushalte (+3,3 Prozent) das Einkommensniveau aller niedergelassenen Ärzte auch real gesunken ist.
Der nominale Wert des Überschusses je niedergelassenen Arzt sank von 197 587 DM im Jahr 1993 auf 185 788 DM im Jahr 1995. Dagegen stieg der Anteil der Betriebsausgaben, gemessen an den gesamten Einnahmen der Arztpraxis, gegenüber der Berichtsperiode 1990/92 von 56,7 Prozent um 3,6 Prozentpunkte auf jetzt 60,3 Prozent (1993/95). Dies bedeutet: Bereits mehr als jede zweite Umsatzmark wird von den Betriebsausgaben "aufgefressen".
Die Gesamteinnahmen je Vertragsarzt (Einnahmen aus kassenärztlicher und sonstiger Tätigkeit, vor allem privatärztlicher Tätigkeit) sind von 456 363 DM um 2,5 Prozent auf 467 752 DM gestiegen. Die Zunahme der Gesamteinnahmen um jährlich 0,8 Prozent geht auf folgende Einflüsse zurück:
- Die Einnahmen aus kassenärztlicher Tätigkeit je Arzt haben im Jahresdurchschnitt um 0,6 Prozent von 368 418 DM auf 375 512 DM zugelegt. Im Vergleich zu dem Zuwachs bei den Löhnen und Gehältern der abhängig Beschäftigten in der Gesamtwirtschaft (+3,9 Prozent) blieben hingegen die Zuwachsraten beim Umsatz je Arzt prozentual zurück. Außerdem muß berücksichtigt werden, daß infolge der gestiegenen Arztzahlen zusammen mit nur gering erhöhten Fallzahlen eine nur unterdurchschnittlich steigende Zahl der Behandlungsfälle festgestellt wurde.
- Die Einnahmen aus privatärztlicher Tätigkeit je Arzt weisen eine nur geringfügig bessere Entwicklung auf. Die "durchschnittlichen sonstigen Einnahmen" je Arzt erreichten mit 92 232 DM bei einer jährlichen Veränderungsrate von +1,6 Prozent eine weiter zunehmende Bedeutung in der Gesamtumsatzentwicklung.
- Die Betriebsausgaben je Arztpraxis sind jährlich um 2,9 Prozent (insgesamt um neun Prozent) auf durchschnittlich 281 964 DM gewachsen. Dies resultiert aus einer Zunahme der Personalausgaben um jährlich 3,6 Prozent (in drei Jahren um 11,3 Prozent) auf 125 480 DM und einer Zunahme der sonstigen Ausgaben um jährlich 2,3 Prozent (insgesamt: 7,1 Prozent) auf 156 484 DM. Bei den Allgemeinärzten nahmen die Überschüsse zwischen 1993 und 1995 um 1,8 Prozent ab. Der Mittelwert des zu versteuernden Überschusses sank von 160 653 DM in den Jahren 1990 bis 1992 auf 152 313 DM in den Jahren 1993 bis 1995 (insgesamt: 25,2 Prozent).
Die Zunahme der Gesamteinnahmen bei den Allgemeinärzten von 351 573 DM auf 361 263 DM (+0,9 Prozent je Jahr) unterscheidet sich dabei kaum von der Einnahmenentwicklung aller übrigen Ärzte (+0,8 Prozent).
Für die Kostensteigerungen von 3,1 Prozent je Jahr sind die "sonstigen Ausgaben" (+3,2 Prozent) und die Personalausgabensteigerungen (+2,9 Prozent) fast im gleichen Ausmaß "verantwortlich". Der Anteil der Betriebsausgaben hat sich bei den Allgemeinärzten von durchschnittlich 54,3 Prozent auf 57,8 Prozent (1993/95) erhöht, liegt aber unter dem Durchschnitt aller Ärzte und insbesondere der Fachärzte.


Überschuß sank
Bei den Fachärzten ging der Betriebsüberschuß (Einnahmen vor Steuer) in den Jahren 1993/95 um 2,8 Prozent je Jahr zurück. Der "Überschußmittelwert" sank von 222 633 DM auf 204 433 DM. Die Gesamteinnahmen (Umsatz) bei den Fachärzten liegt bei durchschnittlich 529 027 DM; sie stagnieren mit +0,1 Prozent je Jahr. Die Abschwächung des Einnahmenzuwachses resultiert aus einer jährlichen Erhöhung der Kassenarzthonorare um 0,6 Prozent - bei einem gleichzeitigen Rückgang der "sonstigen Einnahmen" um 1,6 Prozent. Gleichzeitig erhöhten sich die Betriebsausgaben im Bereich der Fachärzte um jährlich 2,1 Prozent auf durchschnittlich 324 594 DM.
Der Betriebsausgabenanstieg der Gebietsärzte resultiert im wesentlichen aus der Zunahme der Personalkosten um 3,3 Prozent und einem Zuwachs im Bereich der "sonstigen Ausgaben" um 1,2 Prozent. Dr. Harald Clade

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