ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2011Thromboseprophylaxe auf der Intensivstation: Dalteparin und unfraktioniertes Heparin ähnlich effektiv

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Thromboseprophylaxe auf der Intensivstation: Dalteparin und unfraktioniertes Heparin ähnlich effektiv

Heinzl, Susanne

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Patienten auf Intensivstationen haben ein erhöhtes Risiko für Thromboembolien. Unfraktioniertes Heparin (UFH) und niedermolekulare Heparine (NMH) haben sich zur Prophylaxe als wirksam erwiesen. Untersuchungen zum direkten Vergleich von UFH und NMH hatten bislang keine aussagekräftigen Ergebnisse geliefert. Prophylaktische Effekte und Verträglichkeit des NMH Dalteparin und von UFH wurden nun in der PROTECT (Prophylaxis for Thromboembolism in Critical Care Trial) bei 3 764 Intensivpatienten verglichen.

In die randomisierte doppelblinde Studie wurden erwachsene Patienten (Mindestgewicht 45 kg) eingeschlossen, von denen vermutet wurde, dass sie mindestens 3 Tage auf der Intensivstation bleiben. Sie erhielten Dalteparin (5 000 I.E. einmal täglich) oder UFH (5 000 I.E. zweimal täglich) und wurden bis zum Tod oder bis zur Entlassung beobachtet. Primärer Endpunkt war eine im Ultraschall diagnostizierte, neu auftretende tiefe Beinvenenthrombose. Sekundäre Endpunkte waren alle tiefen Venenthrombosen, Lungenembolien, schwere Blutungen und heparininduzierte Thrombozytopenien.

Die Daten von je 1 873 mit Dalteparin und UFH behandelten Patienten konnten analysiert werden mit vergleichbaren demografischen Parametern. Im Median wurden sie über 7 Tage heparinisiert. Eine tiefe Beinvenenthrombose entwickelte sich bei 96 von 1 873 (5,1 %) Patienten der Dalteparin- und bei 109 von 1 873 Patienten (5,8 %) der UFH-Gruppe, der Unterschied war mit p = 0,057 nicht signifikant. Auch die meisten sekundären Endpunkte waren nicht signifikant unterschiedlich. Nur Lungenembolien traten seltener unter Dalteparin (24, 1,3 %) auf als bei UFH (43, 2,3 %) (p < 0,01). Schwere Blutungen und heparininduzierte Thrombozytopenien unterschieden sich nicht.

Fazit: Diese kontrollierte Studie bei Patienten auf der Intensivstation zeigt, dass tiefe Beinvenenthrombosen mit Dalteparin und unfraktioniertem Heparin vergleichbar gut verhindert werden können. Die Häufigkeit schwerer Nebenwirkungen unterschied sich bei beiden Heparinen nicht. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

The PROTECT Investigators for the Canadian Critical Care Trials Group and the Australian and New Zealand Intensive Care Society Clinical Trials Group. Dalteparin versus unfractionated heparin in critically ill patients. NEJM 2011; online 22. März 2011.

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