ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2011Generalisierte Angststörung: Hohe psychische und somatische Komorbidität

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Generalisierte Angststörung: Hohe psychische und somatische Komorbidität

Weiß, Maria

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Pregabalin, ein Antiepileptikum der neueren Generation, verhindert nicht nur epileptische Anfälle, es lindert auch neuropathische Schmerzen und wirkt anxiolytisch.

Die Prävalenz der generalisierten Angststörung (GAD) ist nach epidemiologischen Untersuchungen hoch. Trotzdem wird die Erkrankung relativ selten diagnostiziert, therapeutische Möglichkeiten somit oft nicht ausgeschöpft. Das klinische Erscheinungsbild der GAD beinhaltet alles beherrschende Befürchtungen und Sorgen, die mit ständiger Anspannung und allgemeiner Übererregbarkeit einhergehen.

Die Patienten stellten sich in der Praxis aber meist mit ganz anderen Problemen vor, sagte Prof. Dr. med. Peter Zwanzger (Münster). Vorrangig klagten GAD-Patienten über körperliche Beschwerden, Schmerzen, Schlafstörungen und Depressionen. Die Prävalenz nehme mit dem Alter deutlich zu, und die Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit könnten stark beeinträchtigt sein.

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Erschwert wird die Diagnose der GAD durch die hohe Rate an Komorbiditäten. So leidet ein Großteil der Patienten an weiteren psychischen Erkrankungen wie andere Angststörungen (58 Prozent), affektive Störungen (72 Prozent), Major Depression (61 Prozent) oder Substanzmissbrauch/Abhängigkeit (34 Prozent). Darüber hinaus findet man aber auch eine deutlich erhöhte Rate an somatischer Komorbidität. Dies betrifft unter anderem gastrointestinale und kardiale Störungen sowie Migräne. Diabetiker, COPD-Patienten und Menschen mit chronischen Schmerzen haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer GAD zu erkranken. Vor allem bei älteren Patienten stelle die Multimorbidität häufig eine Herausforderung dar, meinte Zwanzger.

Welchen Stellenwert hat Pregabalin (Lyrica®, Firma Pfizer) bei der Behandlung der GAD? In randomisierten Studien war Pregabalin in Tagesdosen von 300 bis 600 mg einem Placebo deutlich überlegen, während die ebenfalls zugelassene Tagesdosis von 150 mg nur mäßig erfolgreich war. In Vergleichsstudien schnitt das Antikonvulsivum ebenso gut ab wie Venlafaxin und Alprazolam.

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Borwin Bandelow (Göttingen) stellte in Berlin eine nichtinterventionelle Beobachtungsstudie (Common Practice Generalized Anxiety Lyrica Management = CALM) mit 578 Patienten vor, die über vier Wochen mit Pregabalin behandelt wurden. Fast alle Patienten waren bereits vorbehandelt – überwiegend mit Opipramol, Benzodiazepinen oder Serotonin-Wiederaufnahmehemmern. Unter Pregabalin gaben 90,4 Prozent der Patienten zumindest eine geringfügige, 56,6 Prozent eine starke bis sehr starke Besserung der Angst an. Auch zusätzliche bestehende Schlafstörungen und Schmerzen wurden positiv beeinflusst.

Die Therapie war im Allgemeinen gut verträglich und wurde nur in 1,2 Prozent der Fälle wegen unerwünschter Wirkungen abgebrochen. Nach Bandelows Erfahrung lassen sich anfangs auftretende Probleme wie Sedierung und Schwindel meist durch eine langsame Aufdosierung vermeiden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion muss allerdings die Dosis reduziert werden.

Maria Weiß

Symposium „GAD-Therapie im Spannungsfeld psychischer und somatischer Komorbiditäten“ in Berlin, unterstützt von Pfizer

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