ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2011Atemwegserkrankungen: Schützt leicht erhöhtes Bilirubin vor einer COPD?

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Atemwegserkrankungen: Schützt leicht erhöhtes Bilirubin vor einer COPD?

Vetter, Christine

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Der Frage, ob eine Assoziation zwischen einem hochnormalen Bilirubinspiegel und dem Risiko für die Manifestation von Atemwegserkrankungen besteht, ist eine große britische Kohortenstudie nachgegangen. Ausgewertet wurden die Befunde von 504 206 Erwachsenen, deren Bilirubinwerte in Arztpraxen und einer Datenbank (Health Improvement Network) dokumentiert waren. Bei den Patienten gab es keine Hinweise auf hepatobiliäre oder hämolytische Störungen.

Der mediane Bilirubinspiegel lag für die Männer bei durchschnittlich 0,64 mg/dl, für Frauen bei 0,53. Die Häufigkeit eines Lungenkarzinoms, einer COPD und die Gesamtmortalität betrugen jeweils 2,5, 11,9 und 42,5 pro 10 000 Personenjahre mit eindeutiger Assoziation zur Höhe des Bilirubins. So ergab sich eine klare Erhöhung der Rate an Lungenkrebs, COPD und auch der Gesamtsterblichkeit mit jedem Anstieg des Bilirubinwerts um einen Zehntelwert. Für das Bronchialkarzinom lag die Inzidenz pro 10 000 Personenjahre beispielsweise im ersten Zehntelsegment des Bilirubins bei 5,0 (95-%-KI 4,2 bis 6,0) und im fünften Zehntelsegment bei nur 3,0 (95-%-KI 2,3 bis 3,8). Bei der COPD ergab sich mit einer Inzidenz von 19,5 für das untere Zehntelsegment und 14,4 für das obere Segment qualitativ das gleiche Resultat, ebenso bei der Gesamtsterblichkeitsrate mit jeweils 51,3 und 38,1.

Das Ergebnis deutet eine Reduktion des Risikos für ein Bronchialkarzinom pro Bilirubinanstieg von 0,1 mg/dl um 8 % bei Männern und 11 % bei Frauen an. Das COPD-Risiko sinkt um jeweils 6 % bei Männern, und die Gesamtmortalität nimmt um jeweils 3 % ab bei jedem Anstieg des Bilirubinwerts um 0,1 mg/dl.

Fazit: Die Longitudinalstudie zeigt, dass Personen mit einem hohen, aber noch im Normbereich liegenden Bilirubinspiegel ein erniedrigtes Risiko für die Manifestation von Atemwegserkrankungen und eine erniedrigte Gesamtmortalität haben. Erklären lasse sich dies durch zytoprotektive Effekte des Bilirubins, wie sie auch in mehreren Studien dokumentiert wurden, sagte Prof. Dr. med. Peter Galle (Mainz). Ob den aktuellen Befunden therapeutisches Potenzial zukomme, müsse aber in Interventionsstudien geklärt werden, zum Beispiel indem Effekte einer milden Inhibition des Bilirubinabbaus untersucht würden. Christine Vetter

Horsfall LJ et al.: Serum Bilirubin and risk of respiratory disease and death. JAMA 2011; 305(7): 691–7.

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