ArchivDeutsches Ärzteblatt50/1997Ge­sund­heits­mi­nis­ter der Länder: Vorrang für pädiatrische Fachabteilungen

POLITIK: Aktuell

Ge­sund­heits­mi­nis­ter der Länder: Vorrang für pädiatrische Fachabteilungen

Maus, Josef

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LNSLNS Die Ge­sund­heits­mi­nis­ter der Länder fordern die Entwicklung wissenschaftlich vertretbarer Kriterien zur Bewertung von Wirksamkeit, Kosten und Nutzen unkonventioneller Methoden. Daran sollen auch die Vertreter der Schulmedizin mitwirken. Weitere Beschlüsse traf die Ministerkonferenz Ende November in Saarbrücken unter anderem zu Modellvorhaben in der ambulanten Versorgung und zur Verbesserung der kindgerechten Krankenhausversorgung.


Zweierlei Maß darf es nach Auffassung der Ge­sund­heits­mi­nis­ter der Länder in der Medizin nicht geben. Jegliche Methode müsse bedarfsnotwendig, patientenorientiert und qualitätsgesichert sein, heißt es in einer Entschließung der Länderminister und Senatoren, die sich am 21. und 22. November in Saarbrücken getroffen haben. Obwohl sich "auch Ärztinnen und Ärzte vermehrt unkonventionellen medizinischen Methoden zuwenden", seien wissenschaftlich-methodische Fragen zur Bewertung von Wirksamkeit und Kosten-Nutzen-Relation nicht hinreichend geklärt. Die Minister sehen darin eine Aufgabe sowohl für die Berufsverbände der unkonventionellen Methoden als auch für Vertreter der Schulmedizin - insbesondere an Universitäten, Fachinstituten und Heilberufskammern. So werde es von einer solchen methodischen Abklärung abhängen, in welchem Umfang eine weitere Übernahme unkonventioneller medizinischer Methoden in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung vertretbar sei.


Modellvorhaben: Chancen nutzen
Mit Blick auf die im 2. GKV-Neuordnungsgesetz verankerte Möglichkeit zur Vereinbarung von Modellvorhaben in der ambulanten ärztlichen Versorgung fordern die Ge­sund­heits­mi­nis­ter der Länder Krankenkassen und Ärzte auf, "die Chancen aktiv zu nutzen". Die Minister hoffen dabei auf eine Vielzahl von Anreizen, zu mehr Qualität und Wirtschaftlichkeit zu kommen. So sollte diesem Prinzip auch durch ergebnisorientierte Vergütungsansätze Rechnung getragen werden. In dem Beschluß der Konferenz heißt es zu diesem Punkt weiter: "Die Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz erwartet, daß mit Modellvorhaben Anreize in der Vergütung geschaffen werden, mit denen die Verbesserung von Qualität und Wirtschaftlichkeit der Leistungen honoriert wird, insbesondere bei ärztlichen Koordinationsstellen (zum Beispiel Hausarzt, Praxisverbund)."
Einen hohen Stellenwert messen die Minister der Vernetzung im ambulanten Sektor bei. Damit könne die Überschaubarkeit des Leistungssystems für die Versicherten verbessert und die Versorgung in den sprechstundenfreien Zeiten "für alle Seiten befriedigend und effizient geregelt" werden. Modellvorhaben sollten schließlich auch in besonderen Versorgungsbereichen entwickelt werden - so etwa in der geriatrischen Rehabilitation, in der psychosomatischen und psychotherapeutischen Grundversorgung sowie in der Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst. Ein spezielles Problem in der stationären Versorgung griffen die Ge­sund­heits­mi­nis­ter schließlich in einem weiteren Beschluß auf: die angemessene Versorgung von Kindern. Derzeit würden viele nicht in pädiatrischen, sondern in organzentrierten Fachabteilungen zusammen mit erwachsenen Patienten behandelt. Nach Auffassung der Minister sollte jedoch "auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder bei der Krankenhausbehandlung weitgehend Rücksicht genommen werden". Zugleich ginge es um die Sicherung der pädiatrischen Versorgung, die durch den prognostizierten Geburtenrückgang gefährdet sei. Vor diesem Hintergrund kommt die Konferenz zu folgenden Aussagen: Stationär behandlungsbedürftige Kinder und Jugendliche sollen vorrangig in pädiatrischen Fachabteilungen behandelt werden, auch wenn der Behandlungsanlaß zur Aufnahme in einer anderen Abteilung geführt hat. Die Länder wollen dies bei ihrer Krankenhausplanung berücksichtigen. Sie werden auch prüfen, ob als neues Strukturelement der pädiatrischen Versorgung für bestimmte Behandlungsanlässe pädiatrische Betten in teilstationäre Plätze umgewandelt werden können. Krankenhäuser, in denen Kinder behandelt werden, haben die Mitaufnahme einer Bezugsperson des Kindes zu ermöglichen, wenn dies nach ärztlicher Beurteilung medizinisch notwendig ist. Kinder, die nicht in pädiatrischen Krankenhausabteilungen behandelt werden, sollen vorrangig von Kinderkrankenschwestern betreut und nicht in einem Raum mit Erwachsenen untergebracht werden. Der Krankenhausträger hat sicherzustellen, daß insbesondere für Notfälle jederzeit ein Kinderarzt konsiliarisch zur Verfügung steht. Die Krankenhausträger sollen die schulische Betreuung von Kindern, die über längere Zeit im Krankenhaus behandelt werden, unterstützen. Josef Maus

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