ArchivDeutsches Ärzteblatt50/1997Umweltthema im Dezember: Fachinformationen in Datenbanken

POLITIK: Aktuell

Umweltthema im Dezember: Fachinformationen in Datenbanken

Eckel, Heyo; Hüttemann, Ulrich; Rink, Claus

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LNSLNS In einer "internetgläubigen" Zeit haben die eigentlichen Wissensvermittler, die Datenbanken, nur in Insiderkreisen noch Hochkonjunktur. Man muß im Internet Tausende von Informationen ansehen, die kaum einen weiterführenden Informationsgehalt haben. Ausnahmen sind aktuelle und graphisch aufbereitete Informationen, die man in den herkömmlichen Datenbanken kaum erreicht, die für wissenschaftliche Nutzer aber von Bedeutung sind. Darin liegt sicherlich der größte Nutzen dieses Systems, welches aber erst einmal erarbeitet werden muß.
Hier setzt seit 25 Jahren das Konzept der Fachinformationsdatenbanken ein, wozu auch das DIMDI in Köln gehört. Veröffentlichungen oder Zeichnungen sowie Patentschriften oder Bilanzen werden in den Fachdatenbanken vorgehalten. Um gleichzeitig zu einem Thema in verschiedenen Fachdatenbanken zu recherchieren, müßten normalerweise unterschiedliche Datenbankanbieter abgefragt werden. Dies wür-de einen unangemessenen zeitlichen und finanziellen Aufwand bedeuten. Daher ist im Jahre 1979 das "Fachinformationszentrum Technik" (FIZ Technik) als nationales Zentrum für die technisch-wissenschaftliche Information und Dokumentation zur Förderung von Wissenschaft und Technik gegründet worden. Hier können etwa 120 Datenbanken gleichzeitig abgefragt werden. Förderer dieses Vereins, der 50 Mitarbeiter in Frankfurt/Main beschäftigt, sind verschiedene Industrieverbände. Finanziell unterstützt wird das FIZ Technik vom Bundesministerium für Wirtschaft.
FIZ Technik erstellt Datenbanken zu den Fachbereichen Elektrotechnik, Informationstechnik, Maschinen- und Anlagenbau, Werkstoffe, Textil, Medizinische Technik und Betriebsführung. Darüber hinaus werden in den Gruppen Fachliteratur, Zeitungen, Patente, Normen, Firmen und Produkte sowie Wirtschaft Daten zu den unterschiedlichsten Branchen vorgehalten, beispielsweise zu Geowissenschaften, Umwelt, Arbeitsschutz oder Energietechnik.
Über spezielle Suchroutinen, die auch via Internet funktionieren, können zu fast 100 Prozent sinnvolle Angaben erzielt werden. FIZ Technik verfügt auch über die nun in Mode gekommene "Push-Methode". Das System verschickt aktuelle Informationen oder Veränderungen über ein Thema als e-mail. Diese im Internet als Neuerungen gepriesenen Dienste kennt man in den professionellen Datenbanken schon lange. Die Adresse lautet: http://www.fiz-technik.deMitte 1997 hat die Europäische Umweltagentur in Kopenhagen den sogenannten WebCDS im Internet gestartet. Dies ist ein Programm, welches den Zugriff auf umweltrelevante Datenquellen ermöglicht. In diesem Monat wurde der Catalogue of Data Sources (CDS) im Internet noch einmal überarbeitet und der Öffentlichkeit vorgestellt. Das wesentliche Kennzeichen dieses Systems ist die beim Forschungszentrum Informatik in Karlsruhe entwickelte Möglichkeit, quasi softwareunabhängig zu recherchieren. Nur mittels Browser und der objektorientierten Programmiersprache "Java" besteht die Möglichkeit, relationale Datenbanksysteme so zu vernetzen, daß man auf die verschiedensten umweltrelevanten Datenbanksysteme zurückgreifen kann. Interessant ist dabei die Möglichkeit, in Zukunft einen Umweltthesaurus in verschiedenen Sprachen zu nutzen, der nach Fachgruppen geordnete Stichworte enthält. Damit wäre ein europaweit einsetzbares System verfügbar und würde nicht an Sprachgrenzen scheitern. Innerhalb dieses Projektes, welches von der Europäischen Umweltagentur finanziert wird, sollen auch kleinere Gemeinden die Möglichkeit haben, mit einem geringeren finanziellen Aufwand umweltrelevante Daten in dieses System einspeisen zu können. Das Gesamtprojekt steckt zwar noch in den Kinderschuhen, ist aber nach sechs Monaten Laufzeit schon "handlebar", wenn auch bei einigen Testdurchläufen keine Informationen im engeren Sinne abrufbar waren. So wurde zum Thema "Ozonschicht" zwar im Thesaurus ein entsprechender Eintrag gefunden, der auch Hinweise auf Schweizer Datenquellen gab, aber die Datenquellen ließen sich leider nicht laden.


Informationen für Umweltmediziner
Bei einer derart schwierigen Softwareproblematik und den unterschiedlichsten behördlichen Absprachen ist es dennoch anerkennenswert, daß bereits ein Anfang gemacht wurde. Die Schweizer haben darauf bestanden, auch ungeprüfte Daten in der Testphase zu übernehmen. Man will zu Kritik anregen. Es bleibt zu hoffen, daß auch deutsche Datenquellen Einzug finden in dieses richtungweisende System. Es lohnt sich für Umweltmediziner, dieses System zu testen, da durch den Thesaurus einfache Suchmöglichkeiten gegeben sind (Adresse: http://www.eea.dk).


Dr. rer. nat. Claus Rink
Prof. Dr. med. Heyo Eckel
Prof. Dr. med. Ulrich Hüttemann
Rückfragen zur Karte: Georisk GmbH, Schloß Türnich, 50169 Kerpen, Tel 0 22 37/9 73 35 40
Rückfragen zum Text: Dr. Claus Rink, Fax 0 22 38/45 01 40; e-mail: 100526.2351@compuserve. com

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