ArchivDeutsches Ärzteblatt50/199710. Weltkonferenz „Tabak oder Gesundheit“: Internationale Strategiegefordert

POLITIK: Aktuell

10. Weltkonferenz „Tabak oder Gesundheit“: Internationale Strategiegefordert

Pötschke-Langer, Martina

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LNSLNS Die Resolution der 10. Weltkonferenz "Tabak oder Gesundheit" enthält vor allem gesundheitspolitische Forderungen. "Wir kämpfen gegen eine mächtige Industrie, die vom Verkauf eines suchterzeugenden und toxischen Produkts lebt", sagte der Generaldirektor der Welt­gesund­heits­organi­sation, Dr. Hiroshi Nakajima, bei der Konferenz Ende August in Peking.


Weltweit sterben jährlich 3,5 Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, heißt es in der Resolution. Da vor allem in Entwicklungsländern und bei Frauen mit einem weiteren Anstieg des Zigarettenrauchens zu rechnen ist, geht man davon aus, daß im Jahre 2025 jährlich zehn Millionen Menschen an den Folgen des Zigarettenrauchens sterben. Diese Daten ließen befürchten, daß das Zigarettenrauchen für eine weiter wachsende und globale Epidemie verantwortlich und auch Passivrauchen gesundheitsgefährdend sei.
Den international tätigen Tabakkonzernen soll eine internationale Strategie aller Gesundheitsexperten entgegengestellt werden. Die Welt­gesund­heits­organi­sation wird aufgefordert, eine internationale Rahmenkonvention zur Tabakkontrolle mit den Regierungen der Länder abzuschließen: Bis zum Jahr 2000, in dem die 53. World Health Assembly tagen wird, sollte eine verständliche Rahmenkonvention vorliegen, die dann ratifiziert und umgesetzt werden kann. Den Vereinten Nationen empfiehlt die Konferenz zudem, die Tabakkontrolle weltweit prioritär zu behandeln. Die gegenwärtige Verschiebung der Tabakmärkte von den Industrieländern hin zu den Entwicklungsländern wird als größtes zukünftiges Problem gesehen. Zwar sei es in den Industrieländern gelungen, den Tabakkonsum der eigenen Bevölkerung weiter zu senken. Den verlorengegangenen Konsumentenanteil gleiche die Tabakindustrie jedoch mit Hilfe von aggressiven Marketingstrategien und der Unterstützung der Regierungen der Produzentenländer durch die neuen Zielgruppen Frauen und Entwicklungsländer aus. Da aber gerade Frauen und die mit Lebensmitteln mangelversorgte Bevölkerung der Entwicklungsländer besonders krankheitsanfällig seien, wenn sie Zigaretten rauchen, sei weltweit eine weitere Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung zu befürchten.


Kostenausgleich einfordern
Um das Ausmaß der Epidemie abschätzen zu können, wird ein Monitorsystem vorgeschlagen, das die gesundheitlichen, umweltbelastenden, sozialen und ökonomischen Kosten der Tabakproduktion und des Tabakkonsums darstellen sollte, um dann einen vollen Kostenausgleich bei der Tabakindustrie einfordern zu können. Tabak sei eine besondere Substanz. Sie könne nicht als normales Konsumentenprodukt angesehen werden, da ihr Gebrauch extrem gefährlich und außerordentlich suchtauslösend sei. Deshalb sei ein Tabakkontrollprogramm für jedes einzelne Land, aber auch für die Weltmärkte, zu fordern.
Zu Beginn der Konferenz hat die Tongji Medical University in Wuhan den vom deutschen Arzt und Chemiker Prof. Dr. Friedrich Portheine gestifteten Goethe-Wanderpreis erhalten: sie hatte es in wenigen Jahren geschafft, den Raucheranteil ihrer Medizinstudenten von mehr als 40 Prozent auf 4 Prozent zu senken.

Dr. med. Martina Pötschke-Langer,
Deutsches Krebsforschungszentrum

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