ArchivDeutsches Ärzteblatt50/1997Kommentar zum Beitrag Neue Erkenntnisse zum malignen Melanom

MEDIZIN: Diskussion

Kommentar zum Beitrag Neue Erkenntnisse zum malignen Melanom

Burg, Günter

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Günter Burg, Dr. med. Frank Nestle, Priv.-Doz. Dr. med. Reinhard Dummer in Heft 18/1997
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LNSLNS Angesichts der Tatsache, daß das maligne Melanom (MM) in den letzten Jahrzehnten eine zunehmende Morbiditäts- und Mortalitätsfrequenz aufweist, wurden, basierend auf einem im März 1996 durchgeführten Expertenworkshop, in dem nebenstehend genannten Beitrag neue Erkenntnisse zur Epidemiologie, Pathogenese, Diagnostik, Prävention und insbesondere zur Therapie dargestellt. Neben den modernen Konzepten zur Therapie (Immunchemotherapie, spezifische und unspezifische Immuntherapie), die die in sie gesetzten Erwartungen bisher leider nicht erfüllen konnten, sind immer wieder auch alternative und komplementäre Methoden in der Diskussion, deren Einsatz trotz der besonderen psychischen Belastung von Tumorpatienten nicht ohne Beachtung der Kosten-/Nutzenrelation gesehen werden kann. In diesem Zusammenhang wurde auch darauf hingewiesen, daß der Anwendung von Mistelextrakten in diesem Markt alternativer Methoden eine prominente Rolle zukommt. In den USA sind die Ausgaben für "komplementäre Krebstherapien" viermal so hoch wie die Ausgaben für die gesamte Krebsforschung des Landes. In der Bundesrepublik Deutschland wurde 1992 mit Arzneimitteln fraglicher Wirksamkeit ein Umsatz erzielt, der etwa 200mal größer war als die Kosten für Zytostatika im gleichen Jahr (B. Burkhard: Onkologe: 1995; 1:583-589). In einem vorläufigen Bericht mit Darstellung von Zwischenergebnissen einer EORTC-Studie wurde im Rahmen des Deutschen Krebskongresses in Berlin (1996) darauf hingewiesen, daß "eine plazebokontrollierte EORTCStudie an 800 Patienten hat erkennen lassen, daß das Auftreten von Hirnmetastasen in der mit Mistelextrakt behandelten Gruppe häufiger war als in den Vergleichsgruppen" (Zitat aus oben genanntem Beitrag im Dt. Ärztebl.). Diese Aussage und die Quelle - ein bisher nicht veröffentlichter Vortrag - wurden kritisiert. Die Autoren haben Verständnis für Kritik an dieser in ihrer Vorläufigkeit und Kürze unvollständigen Aussage. Es wäre jedoch im Hinblick auf den Schutz von Patienten, behandelnden Ärzten und möglicherweise Herstellerfirmen ethisch nicht verantwortbar, bei der Darstellung "Neuer Erkenntnisse zum malignen Melanom" nicht auf ein derartig bedeutsames, wenngleich vorläufiges, tendenzielles und in der Endauswertung möglicherweise nicht bestätigtes Zwischenergebnis hinzuweisen. Es muß möglich sein, in einem Beitrag über "Neue Erkenntisse zum malignen Melanom" auch auf nicht konsolidierte Zwischenergebnisse hinzuweisen, die Tendenzen einer möglichen Gefährdung von Patienten erkennen lassen. Sicherlich wäre es korrekt und fair zu sagen, "...daß die Wirksamkeit von Mistelextrakten im klinischen Einsatz umstritten ist".


Prof. Dr. med. Günter Burg Direktor der Dermatologischen Klinik
Universitätsspital Zürich
Gloriastraße 31
CH-8091 Zürich

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