ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2011Assoziationsstudien fehlt oft Plausibilität
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Ein weitverbreitetes Problem heutzutage ist die Flut von diversen Assoziationsstudien mit Risikostatistiken, ohne dass eine plausible mechanistische Erklärung oder Hypothese für assoziierte Zusammenhänge existiert. In bezug auf Vitamin D gilt dies nicht nur für diverse Krebsarten, wie von Zeeb und Greinert dargestellt, sondern unter anderem auch für den Bluthochdruck oder das metabolische Syndrom (1, 2). Rachitis und Osteomalazie waren epidemisch vor der Vitamin-D-Fortifizierung von Nahrungsmitteln in den 1930ern in den USA, wohingegen Adipositas, Dickdarm- und Brustkrebs weniger prävalent oder unterdiagnostiziert waren. Heutzutage sind sowohl die Adipositas als auch ein Vitamin-D-Mangel epidemisch in den USA und in Entwicklungsländern, wobei zu bedenken bleibt, dass Vitamin D im Fettgewebe gespeichert wird mit folglich eher niedrig gemessenen Serum-Vitamin-D-Spiegeln (3). Die Knochendichte adipöser Menschen ist gewöhnlich normal. Daten zu Vitamin D mit Bezug auf Krebsarten in den Entwicklungsländern sind mangelhaft, jedoch ist bekannt, dass circa 50 % aller Frauen mit Brustkrebs in arabischen Ländern jünger als 50 Jahre sind (3). Anstelle von Vitamin D spielen hier möglicherweise andere Ursachen eine Rolle, zum Beispiel endokrine Disruptoren, die sowohl in Industrienationen als auch in Entwicklungsländern vorhanden sind.

Eine ausreichende Substitution mit Vitamin D ist empfehlenswert, wobei eine Toxizität vermieden werden sollte. Diese hängt insbesondere von der Calciumaufnahme und dem Parathormon ab und ist sogar bei Ergo-/Cholecalciferoldosen bis zu 10 000 IU (250 mcg) täglich selten.

Der Kampf gegen das weltweite Adipositas- und Vitamin-D-Problem beginnt im Kopf mit der Bereitschaft zu einem gesunden Lebensstil – basierend auf ausgewogener Ernährung und Bewegung. Das sind hohe Ziele in Nationen, in denen der gesunde Menschenverstand verlorengegangen und der Griff zur Pille bei gesundheitlichen Problemen oft der erste Schritt ist (4).

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0321b

Prof. Dr. med. habil. Christian A. Koch, FACP, FACE

Division of Endocrinology

M. Iftekhar Ullah, MD, MPH

Division of Internal Medicine and Hypertension

University of Mississippi Medical Center

2500 N State Street

Jackson, MS 39216, USA

ckoch@umc.edu; mullah@umc.edu

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Zeeb H, Greinert R. The role of vitamin D in cancer prevention: Does UV protection conflict with the need to raise low levels of vitamin D? Dtsch Arztebl Int 2010; 107(37): 638–43. VOLLTEXT
2.
Ullah MI, Uwaifo GI, Nicholas WC, Koch CA: Does vitamin D deficiency cause hypertension ? Current evidence from clinical studies and potential mechanisms. Int J Endocrinol 2010; 2010.
Doi: 10.1155/2010/579640. MEDLINE
3.
Arabi A, El-Rassi R, El-Hajj Fuleihan G: Hypovitaminosis D in developing countries—prevalence, risk factors and outcomes. Nat Rev Endocrinol 2010; 6: 550–61. MEDLINE
4.
Uwaifo GI, Melcescu E, McDonald A, Koch CA: A case of profound weight loss secondary to use of phentermine. J Miss State Med Assoc 2009; 50: 407–15. MEDLINE
1.Zeeb H, Greinert R. The role of vitamin D in cancer prevention: Does UV protection conflict with the need to raise low levels of vitamin D? Dtsch Arztebl Int 2010; 107(37): 638–43. VOLLTEXT
2.Ullah MI, Uwaifo GI, Nicholas WC, Koch CA: Does vitamin D deficiency cause hypertension ? Current evidence from clinical studies and potential mechanisms. Int J Endocrinol 2010; 2010.
Doi: 10.1155/2010/579640. MEDLINE
3.Arabi A, El-Rassi R, El-Hajj Fuleihan G: Hypovitaminosis D in developing countries—prevalence, risk factors and outcomes. Nat Rev Endocrinol 2010; 6: 550–61. MEDLINE
4.Uwaifo GI, Melcescu E, McDonald A, Koch CA: A case of profound weight loss secondary to use of phentermine. J Miss State Med Assoc 2009; 50: 407–15. MEDLINE

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