ArchivDeutsches Ärzteblatt50/1997Candesartan: Nebenwirkungsarme Blutdrucksenkung

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Candesartan: Nebenwirkungsarme Blutdrucksenkung

Vetter, Christine

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LNSLNS Trotz der Vielfalt an Antihypertensiva besteht nach wie vor Bedarf an weiteren blutdrucksenkenden Wirkstoffen. Das hängt damit zusammen, daß längst nicht jeder Hypertoniker auf ein bestimmtes Antihypertensivum gut anspricht. Fortschritte verzeichnen die Wissenschaftler bei den Angiotensin-IIAntagonisten wie dem Candesartan. Dieser Wirkstoff senkt den Blutdruck effektiv und besonders nebenwirkungsarm, wie bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf dargelegt wurde.
Die gute klinische Wirksamkeit des Candesartan belegt eine Metaanalyse von sechs großen plazebokontrollierten doppelblinden Untersuchungen. Der AT-II-Antagonist senkt den Blutdruck vergleichbar anderen Antihypertensiva, und das unabhängig von Alter und Geschlecht der Patienten. Der Wirkstoff besitzt eine hohe Rezeptorphilie, weshalb niedrige Dosierungen von vier, acht und 16 mg in aller Regel eine befriedigende Blutddrucksenkung erwirken, und zwar ohne dabei das zirkadiane Blutdruckprofil zu stören. Gleichzeitig wurden in den klinischen Studien keine spezifischen Nebenwirkungen beobachtet, wie Prof. Heinrich Holzgreve (München) betonte. ACE-Hemmer-typische Reaktionen wie der Husten wurden nicht registriert, und auch die unspezifischen Begleitreaktionen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder gastrointestinale Symptome waren laut Holzgreve nicht häufiger als unter Plazebo.
Für die neue Wirkstoffgruppe spricht nach seinen Worten auch die Tatsache, daß anders als bei den ACEHemmern, die über das Konversionsenzym lediglich den Hauptbildungsweg von Angiotensin II unterdrücken, bei den AT-II-Antagonisten auf Rezeptorebene agiert wird. "Damit erreichen wir eine vollständige, praktisch eine perfekte Blockade der Angiotensin-II-Wirkung", so Holzgreve. Das kann sich langfristig günstig auswirken, und es mehren sich bereits die Hinweise auf eine ausgeprägte Organprotektion unter den neuen Wirkstoffen. Diese scheinen trophischen Einflüssen besonders gut entgegenzuwirken, und es steht zu vermuten, erklärte Prof. Wilhelm Kirch (Dresden), daß arteriosklerotischen Prozessen weit besser als bisher Einhalt geboten werden kann. Schon jetzt bietet Candesartan (Blopress®, Takeda Pharma) nach seiner Darstellung Vorteile für die Praxis, denn es gibt keine relevanten Interaktionen und auch nur sehr wenige Kontraindikationen (beidseitige Nierenarterienstenose, Schwangerschaft, Stillzeit). Candesartan könnte sich somit für die Behandlung von Hypertonikern mit chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen oder mit Dyslipoproteinämie eignen. Profitieren dürften nach Kirch von einer solchen Therapie auch Diabetiker und Patienten mit einer Herzinsuffizienz. Eine besondere Indikation sieht Holzgreve bei all jenen, bei denen sich mit herkömmlichen Antihypertensiva der Blutdruck nicht befriedigend einstellen läßt, sowie bei Hypertonikern, die auf ACEHemmer zwar gut ansprechen, doch unter lästigem Husten leiden. Christine Vetter
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