ArchivDeutsches Ärzteblatt12/1996Pfizer Deutschland: Hohe Ansprüche in Sachen Forschung

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Pfizer Deutschland: Hohe Ansprüche in Sachen Forschung

Vetter, Christine

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LNSLNS Mit einem neuen Konzept hat das Unternehmen Pfizer sich während der Medica in Düsseldorf präsentiert: Die deutsche Firmengruppe, der neben der Karlsruher Pfizer GmbH auch die Unternehmen Heinrich Mack Nachf., Taylor Kosmetik und Howmedica GmbH angehören, wurde als "Pfizer Deutschland" unter einem Dach zusammengeführt. "Damit können jetzt ganze Angebotspakete geschnürt werden, um eine ganzheitliche Bearbeitung der verschiedenen Krankheitsbilder anzustreben", erläuterte Geschäftsführer Werner D. Soukup in Düsseldorf.
Er stellte Pfizer dort als einen weltweit expandierenden "health care provider" mit breitem Angebot vor. In der pharmazeutischen Sparte werden vor allem Präparate aus den Bereichen Herz– Kreislauf, Infektionskrankheiten und speziell Mykosen sowie rheumatischen Erkrankungen angeboten. Besonders stolz ist man auf eine intensive Forschungstätigkeit, hier gilt Pfizer nach Soukup als "Branchenprimus".
So wurden 1995 insgesamt 1,3 Milliarden Dollar in die Forschung investiert. Der Konzern beschäftigt weltweit rund 40 000 Mitarbeiter und setzte 1994 etwa 8,3 Milliarden US-Dollar um. Der Anteil der deutschen Gruppe betrug etwa 730 Millionen DM bei knapp 2 300 Mitarbeitern.
Das Unternehmen, das sich auf Innovationen konzentriert, rechnet sich auch für die Zukunft gute Marktchancen aus. Derzeit sind bereits 15 Substanzen in der fortgeschrittenen klinischen Erprobungsphase, so daß auch in den kommenden Jahren mit zahlreichen Neueinführungen zu rechnen ist, und neue Wirkstoffe drängen, so Forschungschef Dr. Simon F. Campbell, fast kontinuierlich aus der Pipeline nach. "Jedes unserer Präparate soll entweder das erste oder das beste seiner Art sein", erläuterte der Wissenschaftler die Firmenphilosophie. Er kündigte zugleich einige neue Arzneimittel an. Aus dem Bereich der Infektionskrankheiten handelt es sich um den Wirkstoff Trovafloxacin, ein oral und i. v. verfügbares ChinolonAntibiotikum mit verbessertem Wirkspektrum, sowie E5, einen monoklonalen Antikörper zur Behandlung des septischen Schocks. Außerdem befindet sich Voricon-azol, ein Imidazol-Antimykotikum, das sich gegen die bislang schwer therapierbaren Aspergillus-Infektionen als wirksam erwiesen hat, in der Entwicklung. Bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen setzt Pfizer auf den Wirkstoff Dofetilide, einen Kaliumkanalblocker und ein Klasse- III-Antiarrhythmikum, sowie auf einen neuartigen Hemmstoff des atrialen natriuretischen Hormons. Daneben wagte das Unternehmen sich auch auf bislang neue Indikationsgebiete wie das zentrale Nervensystem und psychische Erkrankungen. Hier wird an einem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer gearbeitet, einem selektiven Cholinesterase-Hemmstoff zur Therapie der Alzheimerschen Erkrankung, einem SerotoninDopamin-Hemmer gegen die Schizophrenie und einem Serotonin-Agonisten mit verbessertem Nebenwirkungsspektrum, mit dem sich die Migräne, so die derzeitige Hoffnung, besser behandeln läßt.
Als weiteres neues Fachgebiet nannte Campbell die Urologie, in der bislang lediglich Erfahrung im medizintechnischen Bereich besteht. Neue Arzneimittel zur Behandlung der BPH und der erektilen Dysfunktion sollen zukünftig die Produktpalette in der Urologie erweitern.
Auch zur Behandlung chronischer Erkrankungen sind eine Reihe von Substanzen in Entwicklung. Der Wissenschaftler nannte den Wirkstoff Tenidap, der auf einen ursächlichen Angriffspunkt bei rheumatischen Erkrankungen hoffen läßt, und Zopolrestat, das sich zur Vorbeugung wie auch zur Therapie diabetischer Nervenschädigungen zu eignen scheint. Sowohl in den USA als auch in Europa und in Japan werden Forschungszentren finanziert. Dort arbeitet man, so Campbell, an unterschiedlichen Fragestellungen. Die japanischen Wissenschaftler beschäftigen sich mit Produkten aus den Bereichen Schmerz und Entzündung, während in Europa die Neurodegeneration, die Atemwege, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Urologie im Vordergrund stehen. Die Palette von Krankheiten und Fragestellungen für die amerikanischen Kollegen: ZNS, Diabetes, Krebs, Adipositas, Immunologie und Osteoporose. Christine Vetter
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