ArchivDeutsches Ärzteblatt3/1996Multimediales Lernen: Schüler an das Netz

VARIA: Bildung und Erziehung

Multimediales Lernen: Schüler an das Netz

Marx, Catrin

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LNSLNS Die Telekom hat zusammen mit dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie die Initiative "Schulen ans Netz" gestartet. Mit dem ersten TeleLearning Symposium der Deutschen Telekom am 18. Dezember 1995 in Bonn wurde die Bandbreite der Nutzung von multimedialen Einsatzmöglichkeiten im Bildungsbereich, verknüpft mit Datenfernübertragung via Kabel und OnlineDiensten, vorgestellt. Die Schirmherrschaft übernimmt Bundesbildungsminister Dr. Jürgen Rüttgers. Nach den Worten von Dr. Hagen Hultzsch, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom, wird das Unternehmen in den nächsten drei Jahren rund 35 Millionen Mark zur Unterstützung des Projekts an Schulen bereitstellen. Das Geld ist jedoch ausschließlich für die ISDN-Anschlüsse und die Vernetzung der Schulen vorgesehen. Die Telekom könne nur als Initiator für das Lernen im Netz fungieren. Für Applikationen und pädagogische Inhalte sei die Kooperation mit Bildungsträgern, wie Schulbuchverlagen, Kultusministerien und pädagogischen Hochschulen, unbedingt notwendig. Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie wird in seiner Funktion in der Öffentlichkeit zur Mitarbeit auffordern. Erste Kooperationspartner werden die beiden Schulbuchverlage Klett und Cornelsen sein, die auf dem Symposium ihr angekündigtes Projekt "Deutsches Bildungsnetz" als offenes Forum für Bildungsinhalte vorstellten. Inhalte sind neben einer Software-Bibliothek, die gegen Festpreise das Herunterladen von durch die Verlage publizierter Software ermöglicht, auch ein thematisch gegliedertes Kommunikationsforum. Dann können die Teilnehmer, ähnlich einem Schwarzem Brett, über E-mail Nachrichten und Informationen versenden oder erhalten. In der Planungsphase befindet sich noch ein Tutoren-Modell, das eine Beratung und Leistungsmessung für spezielle Produkte vorsieht.
Während des Symposiums wurden mehrere Telelearning-Projekte vorgestellt. Neben Software, OnlineDiensten und Multimedia-Anwendungen für den schulischen Bildungsbereich wurde auch das seit dem Schuljahr 1995/96 laufende und geförderte Pilotprojekt Comenius vorgestellt. Dabei sind fünf verschiedene Schulen in Berlin und die Landesbildstelle in Berlin über ein Glasfasernetz verbunden. Mittels Multimedia-PCLernplätzen führen Schüler, Lehrer und Eltern Videokonferenzen durch, kommunizieren über E-mail oder recherchieren online in digitalen Archiven.
Diese Form des Lernens bietet jedoch nicht nur Chancen, sondern birgt auch Gefahren in sich, meinte Axel Hoffmann, Abteilungsleiter für allgemeine und berufliche Bildung im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie. Die Gefahr liege in der Möglichkeit, durch Informationen aus den neuen Medien zu manipulieren. Er appellierte an die Besucher des Forums, dieser Gefahr folglich durch informierte kritische Distanz zu begegnen. Dennoch sind nach Hoffmanns Auffassung die für das Bildungswesen Verantwortlichen verpflichtet, sich in allen Bereichen den Herausforderungen durch die neuen Informations- und Kommunikationstechniken zu stellen. Dazu bedürfe es jedoch nicht logistischer Voraussetzungen, sondern es müßten neben pädagogischen Inhalten auch methodische und didaktische Unterrichtsverfahren für Lehrer erstellt und gelehrt werden. In der anschließenden Podiumsdiskussion kamen beide Hauptprobleme der Realisation zur Sprache. Eine der Schwierigkeiten wird in der Aus- und Weiterbildung des Lehrpersonals liegen. Das weitere Problem wird die Finanzierung der Anschaffungskosten und der Betriebskosten sein, die durch die Benutzung der OnlineDienste entstehen. Catrin Marx
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