ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2011Honorar: Ambulantes Operieren nicht kostengünstiger
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Mit Interesse lese ich die Meldung zur Kritik an der Ausgabenbegrenzung, die aus unserer Sicht nicht ganz unkommentiert bleiben darf. Hier werden die Berufsverbände ambulant tätiger Operateure damit zitiert, dass Honorare für das ambulante Operieren „gedeckelt“ würden, obwohl sie „viel kostengünstiger als in Krankenhäusern“ erbracht würden. Wir teilen die Einschätzung der Berufsverbände ambulant tätiger Operateure, dass das ambulante Operieren auskömmlich finanziert werden muss und dass es gefördert werden sollte. Zurückgewiesen werden muss aber, dass grundsätzlich kostengünstiger als in Krankenhäusern operiert wird. Ein einfacher Preisvergleich wird der Sache nicht gerecht. Bei der häufigsten aller Operationen, der Katarakt-Operation, werden weit über 90 Prozent der Operationen ambulant erbracht. Bei den relativ wenig verbliebenen stationären Patienten aber handelt es sich um solche, die schwere Grunderkrankungen aufweisen, die stationärer Betreuung bedürfen oder die zum Beispiel nur ein gutes Auge haben, weil das andere amblyop, also schwachsichtig ist, was in Deutschland für circa vier Prozent der Bevölkerung zutrifft.

Wünschenswert wäre eine stationäre Betreuung auch für Patienten, die keine ausreichende häusliche Unterstützung haben, um zur ambulanten Operation gehen zu können (ambulare = gehen!). Schließlich ist die stationäre Vergütung noch nicht einmal so hoch: Während die DRG 1 549,42 Euro vorsieht, wird in der Regel nur ein Tag der Verweildauer anerkannt, was zu einem Erlös von 1 161,28 Euro führt, egal wie die Grunderkrankungen ausgeprägt sind, ob Narkose notwendig und eine postoperative Intensivbettüberwachung angezeigt ist. Insofern leisten Krankenhäuser einen wertvollen Beitrag zur Versorgung von Katarakt-Patienten, insbesondere dann, wenn sie sowohl ambulante als auch stationäre Operationen vorhalten und individuell für den einzelnen Patienten richtig anbieten können.

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Univ.-Prof. Dr. med. Norbert Pfeiffer,
1. Vorsitzender des Verbandes ophthalmologischer Lehrstuhlinhaber, Direktor der Augenklinik und Poliklinik, Universitätsmedizin Mainz, 55131 Mainz

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