ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2011Kontokorrentkredit: Kaum noch zu kalkulieren

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Kontokorrentkredit: Kaum noch zu kalkulieren

Vetter, Michael

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Überzieht ein Arzt sein Praxiskonto, wird es oft teuer. Doch es gibt Alternativen zum Kontokorrentkredit.

Der Zinssatz des Kontokorrentkredits auf dem Praxiskonto ist für viele Ärztinnen und Ärzte spätestens seit Beginn der Wirtschaftskrise kaum mehr zu kalkulieren: Je nach Bankinstitut werden aktuell zwischen acht und 14 Prozent verlangt, Überziehungszinsen nicht eingerechnet. Dabei wird von den Banken eine schlüssige und vor allem nachvollziehbare Ermittlung der jeweiligen Zinssatzhöhe nach wie vor nur selten mitgeliefert. Die immer wiederkehrende lapidare Antwort auf diese durchaus berechtigte Frage („ die problemlose Kreditbereitstellung besitzt eben ihren Preis“) wird Ärzten jedenfalls nicht gerecht.

Ein Tipp für kleinere Praxen

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Bei einer regelmäßig kostengünstigeren Kreditvariante des Überziehungskredits, dem Abrufkredit, werden Verfügungen innerhalb des Kreditrahmens ebenfalls flexibel zugelassen, darüber hinaus gibt es aber konkrete Vereinbarungen bezüglich fester Tilgungsraten, deren Höhe sich an den finanziellen Möglichkeiten des Kreditnehmers orientiert. Vor allem bei kleineren Arztpraxen kann der Abrufkredit eine interessante Finanzierungsalternative mit Zinssätzen darstellen, die je nach Bonität des Kreditnehmers um einige Prozentpunkte unterhalb der Sätze des Kontokorrentkredits liegen.

Das gilt ebenfalls für eine weitere Alternative des Überziehungskredits, den kurzfristigen Geldmarkt- oder Eurokredit, der diesen ergänzen beziehungsweise ersetzen kann. So ist eine Aufteilung des bisherigen Überziehungskredits dadurch möglich, dass ein Teil der ursprünglichen Kreditlinie für den Eurokredit zur Verfügung gestellt wird. Es ist grundsätzlich üblich, dass der Eurokredit während der vereinbarten Laufzeit in voller Höhe in Anspruch genommen werden muss. Nur vorübergehende Inanspruchnahmen oder regelmäßige oder unregelmäßige Einzahlungen sind in der Regel also nicht möglich. Dafür gibt es aber flexible Gestaltungen bei den Laufzeiten: Die üblichen Zeiträume bei Eurokrediten bewegen sich zwischen einem Monat und einem Jahr. Gegebenenfalls erforderliche Verlängerungen der ursprünglichen Laufzeit sollten rechtzeitig mit der Bank besprochen werden.

Bei einer Aufteilung des bisherigen Kontokorrentkredits sind zusätzliche Sicherheiten meist nicht erforderlich, da sich am Kreditvolumen insgesamt nichts ändert. Wird der Eurokredit dagegen zusätzlich bereitgestellt, hängt ein eventueller Bedarf an zusätzlichen Sicherheiten vor allem von einer erneuten Bonitätsprüfung ab. Ärzten steht je nach Bankinstitut auch die Möglichkeit offen, einen Eurokredit in einer anderen Währung als dem Euro in Anspruch zu nehmen. Allerdings sind hiermit naturgemäß entsprechende Risiken schwankender Wechselkurse verbunden. Ob sich im Einzelfall ein Eurokredit in einer Fremdwährung zum Beispiel in Verbindung mit einer Währungsabsicherung möglicherweise dennoch lohnt, sollte mit der Hausbank besprochen werden.

Aus der Mode gekommen

Je nach Bank scheint er ein wenig aus der Mode gekommen zu sein, dennoch kann auch der Akzeptkredit für Praxisverantwortliche eine Finanzierungsalternative darstellen. Dazu akzeptiert das Kreditinstitut einen vom Kunden ausgestellten Wechsel und ist gegenüber einem Dritten, an den der Wechsel vom ursprünglichen Kreditnehmer weitergegeben werden kann, zur Einlösung dieser Urkunde verpflichtet. Es ist üblich, dass die wechselrechtliche Haftung der Bank nur unter der Bedingung übernommen wird, dass der Arzt als Kreditnehmer sich verpflichtet, den Wechselbetrag rechtzeitig zum Fälligkeitstermin des Wechsels zur Verfügung zu stellen. Üblich sind hier kurze Laufzeiten von bis zu einem halben Jahr.

Michael Vetter

Wichtige Begriffe

  • Als Kreditlinie oder Kreditrahmen wird der vom Kreditgeber zur Verfügung gestellte Kreditbetrag bezeichnet.
  • Genehmigte Überziehung: Innerhalb dieser Kredithöhe kann der Kontoinhaber über den jeweiligen Betrag verfügen.
  • Geduldete Überziehung: Hier lässt die Bank als Kreditgeber über die genehmigte Überziehung hinausgehende Kontoverfügungen zu. Der Kunde bezahlt diese Dienstleistung mit zusätzlichen Überziehungszinsen.
  • Bei der Prolongation handelt es sich um eine Verlängerung der jeweils vereinbarten Kreditlaufzeit. Weitere Details wie Kredithöhe, Zinssatz oder Kreditsicherheiten werden bei Prolongationsverhandlungen grundsätzlich ebenfalls angesprochen und gegebenenfalls neu verhandelt.
  • Euribor (European Interbank offered Rate): Dieser unter Banken übliche Verrechnungszinssatz dient beim Eurokredit in der Regel als Orientierungsgröße für den Kundenzinssatz.
  • Der Wechsel ist eine Urkunde, die eine unbedingte Zahlungsanweisung beinhaltet und vor allem beim Akzeptkredit mit einem Bankinstitut als Zahlungspflichtigem gegenüber dem Wechselbegünstigten eine große Sicherheit gewährleistet.

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