ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2011EU-Tabakrichtlinie: Einheitsdesign gegen die Sucht

POLITIK

EU-Tabakrichtlinie: Einheitsdesign gegen die Sucht

Spielberg, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Europäische Kommission will im nächsten Jahr eine überarbeitete EU-Tabakrichtlinie vorlegen. Die neuen Vorschriften sollen den Nikotinkonsum eindämmen.

Abschreckende Bilder sollen Raucher motivieren, mit dem Zigarettenkonsum aufzuhören. Foto: dpa
Abschreckende Bilder sollen Raucher motivieren, mit dem Zigarettenkonsum aufzuhören. Foto: dpa

Zigarettenschachteln mit abschreckenden Motiven oder schlichte Schwarz-Weiß-Verpackungen sollen die Europäer vom Rauchen abhalten. Das jedenfalls erhofft sich die Europäische Kommission. Sie will daher Anfang 2012 einen neuen Vorschlag für eine EU-Richtlinie zur „Herstellung, Aufmachung und zum Verkauf von Tabakerzeugnissen“ vorlegen. „Tabak ist nicht irgendein Produkt“, sagt EU-Gesundheitskommissar John Dalli. „Er macht süchtig und verursacht vermeidbare Gesundheitsausgaben.“

Anzeige

Untersuchungen zufolge rauchen circa 30 Prozent der Europäer. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind es sogar 35 Prozent. Die Zahl der Todesfälle infolge direkten oder indirekten Tabakkonsums beziffert die EU-Kommission auf etwa 650 000 jährlich. In Deutschland sind es nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) circa 110 000.

Die geltenden EU-Vorschriften legen Höchstwerte für den Gehalt an Stoffen wie Nikotin (1 mg), Teer (10 mg) und Kohlenstoffmonoxid (10 mg) pro Zigarette fest. Die Richtlinie verpflichtet die Hersteller außerdem, Gesundheitswarnhinweise auf ihre Produkte zu drucken. Auch ist es ihnen untersagt, mit Angaben wie „mild“, „leicht“ oder „niedriger Teergehalt“ zu werben.

Einzelheiten der Neufassung stehen zwar noch nicht fest, aber offenbar überlegt die Kommission, ein einheitliches Design für Zigarettenschachteln einzuführen, da sie sich von einer unattraktiven Aufmachung einen Rückgang des Nikotinkonsums erhofft. Zur Diskussion steht auch, sämtliche Zusatzstoffe in Zigaretten zu verbieten. Zu den schätzungsweise 600 Substanzen, die die Hersteller verwenden, um den Geschmack zu verbessern, gehören unter anderem Aromen, Feuchthalte- und Klebemittel sowie Farbstoffe. Ferner ist im Gespräch, dass Zigarettenschachteln in Kiosken, Tabakwarenläden oder Supermärkten künftig nicht mehr sichtbar zum Verkauf präsentiert werden dürfen. Die Angabe einer Suchthotline auf allen Zigarettenschachteln soll Rauchern den Ausstieg aus der Abhängigkeit erleichtern.

Der Bundesverband des Tabakwareneinzelhandels kritisiert die Pläne der EU-Kommission. Es könne nicht sein, dass dem mündigen Verbraucher in Europa die Auswahl und der Kauf legaler Produkte nur noch unter der Ladentheke zugemutet werde. „Eine standardisierte Tabakproduktverpackung mit großen Warnhinweisen aus Text und Bild kann dazu beitragen, dass weniger Jugendliche mit dem Rauchen anfangen und dass Raucher zu einem Rauchstopp motiviert werden“, betont dagegen das DKFZ. Auch eine Mehrheit der EU-Bürger (54 Prozent) ist nach einer Umfrage der Kommission für einheitliche Zigarettenschachteln. 74 Prozent sprechen sich zudem für Warnbilder auf den Verpackungen aus.

Der CDU-Europaabgeordnete Thomas Ulmer hält eine Einheitsverpackung für Zigaretten nicht für hilfreich. Er plädiert statt dessen für vermehrte Präventionskampagnen. Der Ständige Ausschuss der Europäischen Ärzte, dem auch die Bundesärztekammer angehört, hält es für sinnvoll, die Verbraucher verstärkt über die gesundheitsschädigende Wirkung des Nikotinkonsums zu informieren. Er unterstützt zudem die Einrichtung einer Suchthotline und regt an, Tabakprodukte als Drogen einzustufen und entsprechend zu kontrollieren.

Petra Spielberg

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote