ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2011Börsebius: Die Zinsen klettern

GELDANLAGE

Börsebius: Die Zinsen klettern

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Es geht wieder was. Anfang April erhöhte die EZB, also die Europäische Zentralbank, den Leitzins, marginal nur, aber das ist trotzdem ein Zeichen für einen klaren Wandel der Geldpolitik. Zwei lange Jahre war dieser Schritt nicht möglich, zu sehr hätte ein solcher Paradigmenwechsel von der Politik des lockeren Geldes hin zum Auftakt einer monetären Verknappung konjunkturell geschadet. Jetzt, wo einerseits die Wirtschaft brummt, aber andererseits Inflationsängste zu sehr drücken, war der Zeitpunkt für die EZB-Entscheidung reif. Und der Schritt dringend vonnöten.

Wieder einmal prescht hier die ING-Diba vor und will die Konditionen für Tagesgeld von 1,3 auf 1,5 Prozent anheben. In diesem Gefolge ist auch sicher damit zu rechnen, dass weitere, auch große Banken, den Holländern folgen und die Leitzinserhöhung zugunsten der Anleger umsetzen werden.

Es gibt aber auch jetzt schon Institute, die einen deutlichen Schnaps mehr anbieten, darunter ist etwa die VTB-Direktbank mit rund 2,2 Prozent für täglich fälliges Geld. VTB? Dahinter steckt die österreichische VTB-Bank und die wiederum gehört der russischen Staatsbank VTB. Na ja, das muss sich ein Anleger dann doch genau überlegen, ob er wirklich alle Kommastellen ausreizen will oder doch lieber auf die ING-Diba oder andere etwa gleiche Angebote zurückgreift.

Anzeige

Dieser Zinsschritt wird der letzte nicht sein, ganz gewiss nicht. Aufgrund des Inflationsdrucks rechne ich persönlich damit, dass wir auf Sicht der nächsten 18 Monate mit Renditen um die drei Prozent oder sogar mehr im kurzfristigen Bereich (bis zu einem Jahr) rechnen können. Damit werden Tages- und Festgelder ganz klar noch attraktiver.

Wie wichtig es ist, sein Geld auf einem hohen liquiden Niveau (also Termineinlagen und Tagesgelder) zu parken, auch wenn es heute noch nicht so viel Zinsen dafür gibt, zeigt das Elend um die offenen Immobilienfonds. Milliarden Euro liegen hier verbuddelt, und die Anleger kommen nicht an ihr Kapital, weil mittlerweile ziemlich viele dieser ehemals sicheren Produkte eingefroren sind. Wer heute schnell Kohle braucht, kann zwar über die Börse seine Anteile versilbern, muss aber teilweise zweistellige Verluste einplanen.

Damit ist klar, dass „versilbern“ den Casus nicht ganz trifft, „verschrotten“ würde schon besser passen. Dann doch lieber weniger Rendite einplanen, gut schlafen und – wenn nötig – schnell bei Kasse sein. So wird ein Schuh draus.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 7. Mai 2011 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote