ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2011Vitamin D: Mangel ist nicht selten
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Der Artikel läuft Gefahr, grundlegend missverständliche Aussagen zu verbreiten.

Erstens sind in Deutschland Mangelzustände von unter 10 ng/ml keine Seltenheit. Zweitens wird nicht darauf hingewiesen, dass die Richtlinien des Institute of Medicine (IOM) auf grundlegenden Fehlinterpretationen wichtiger Studien beruhen. Drittens wird durch den Titel des Artikels fälschlicherweise der Eindruck erweckt, dass Evidenzen bezüglich des Zusammenhangs zwischen Vitamin-D-Mangel und chronischen Krankheiten komplett fehlen.

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Zu 1: Priemel et al. haben 2010 bei 675 Patienten nachgewiesen, dass mehr als 60 Prozent der norddeutschen Bevölkerung ein 25-(OH)D-Serum-Level von unter 10 ng/ml haben. Zusätzlich hat die Auswertung der histomorphometrischen Analysen von 2 000 Beckenkammbiopsien bei 20 Prozent eine Mineralisationsstörung gezeigt.

Zu 2: Dass eine 25-(OH)D-Serum-Konzentration von 20 ng/ml für Knochengesundheit ausreicht, ist eine der gravierenden Fehlinterpretationen des IOM. Bei der Berechnung der 97,5 Prozent sind grundlegende mathematische Fehler begangen worden. So wurde fälschlicherweise die Anzahl der Individuen mit Mineralisationsdefekten oberhalb von 50 ng/ml durch die Anzahl der gesamten Stichprobe dividiert, statt durch die Anzahl der Individuen oberhalb von 50 ng/ml. Bei korrekter Berechnung haben weit mehr als 20 Prozent der Individuen bei diesem Grenzwert Mineralisationsdefekte. In den vergangenen Monaten haben weltweit führende Vitamin-D-Forscher, darunter Bischoff-Ferrari, Cannell, Grant, Heaney, Holick, Hypponen, Vieth und viele weitere Experten, Gegendarstellungen und Kommentare zu den IOM-Richtlinien veröffentlicht. Weitere kritische Kommentare werden in der April-Ausgabe von „Public Health Nutrition“ publiziert.

Zu 3: Die Aussage, dass nicht erwiesen ist, dass „ein Mangel an Vitamin D die Entstehung von Diabetes, Krebs, kardiovaskulären und Immunerkrankungen begünstigt“, ist nicht ganz richtig. So hat unter anderem eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Vier-Jahresstudie mit 1 179 postmenopausalen Frauen in Nebraska gezeigt, dass Vitamin D das Gesamtkrebsrisiko senken kann.

Literatur bei den Verfassern

Prof. Dr. med. Michael Amling, Institut für
Osteologie und Biomechanik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, 20246 Hamburg

Prof. Dr. med. Franz Jakob, Orthopädisches Zentrum für Muskuloskelettale Forschung, Universität Würzburg, Orthopädische Klinik, 97074 Würzburg

Prof. Dr. med. Lorenz Hofbauer, Leiter Bereich Endokrinologie, Medizinische Klinik III, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, 01307 Dresden

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