ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2011Neue Leitlinie für Schwangerschaftsdiabetes

AKTUELL: Akut

Neue Leitlinie für Schwangerschaftsdiabetes

Dtsch Arztebl 2011; 108(18): A-982 / B-810 / C-810

EB

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Mit der Veröffentlichung einer neuen Leitlinie geben die Deutsche Diabetesgesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe nunmehr vor, dass die Diagnose eines Gestationsdiabetes nur noch mit Blut aus der Vene gestellt werden darf. Auf diese Weise soll die Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes verlässlicher werden. Die bisher üblichen Untersuchungen mit Blut aus der Fingerbeere, für die häufig Patienten-Blutzuckermessgeräte zum Einsatz kamen, sind für die Diagnose nicht länger erlaubt.

„Die Diagnose kann mit Patienten-Blutzuckermessgeräten jedoch nicht gestellt werden, da diese Geräte mit einer Schwankung von bis zu 20 Prozent messen. Für die Diagnosesicherung ist das zu ungenau“, erklärt der Diabetologe Dr. med. Frank Best aus dem Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein. Die Diabetesschwerpunktpraxen verfügen über geeichte Messgeräte, mit denen sie die Diagnose exakt stellen können.

Ein Gestationsdiabetes besteht, wenn der Nüchternblutzuckerwert aus dem Venenblut über 91 mg/dl liegt, der Wert eine Stunde nach dem Belastungstest (1-Stunden-Wert) über 179 mg/dl und nach zwei Stunden über 152 mg/dl. „Wichtig ist, dass diese strengeren Kriterien nur für den Schwangerschaftsdiabetes gelten. Für jeden anderen Diabetesnachweis reicht es vollkommen aus, wenn der Nüchternblutzuckerwert wiederholt über 126 mg/dl im Plasma aus dem Fingerblut oder im nicht-nüchternen Zustand bei über 200 mg/dl liegt“, betont Best. In jedem Fall wird zur Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes ein Glukose-Belastungstest („Glukose-Toleranztest“) durchgeführt; er wird allen Frauen zwischen der 24. und der 28. Schwangerschaftswoche empfohlen.

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Hervorgerufen wird ein Gestationsdiabetes durch eine Erhöhung an Schwangerschaftshormonen. Diese führen als Gegenspieler des Insulins zu einer geminderten Insulinwirkung, so dass die Schwangere mehr Insulin benötigt als sonst. Kann der Körper nicht ausreichend Insulin produzieren, steigt der Blutzucker, und dies gefährdet das Kind.

Wird ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt, lässt er sich in der Regel gut behandeln. „Meist genügen bereits eine Ernährungsumstellung und regelmäßige Bewegung, um die Blutzuckerwerte zu normalisieren. In bis zu 30 Prozent der Fälle muss eine Insulintherapie begonnen werden“, sagt Best. EB

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