ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2011Glaskörpertrübungen: Indikation für eine Vitrektomie ist umstritten

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Glaskörpertrübungen: Indikation für eine Vitrektomie ist umstritten

Dtsch Arztebl 2011; 108(18): A-1007 / B-830 / C-830

Gerste, Ronald D.

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Glaskörpertrübungen können außerordentlich störend sein: Als kleine, manchmal transparente, gelegentlich auch dunkle Gebilde können sie durch das Gesichtsfeld flottieren („floaters“), vor allem bei hellen Lichtverhältnissen, aber auch bei der Arbeit am Computer. Sie schränken zwar kaum die Sehschärfe, jedoch die Sehqualität ein. Gibt es keine pathologische Grundlage wie ein Loch in der Netzhaut, gilt die Störung als harmlos. Doch zahlreiche Patienten sind von den „floaters“ emotional derart belastet, dass sie sich die invasivstmöglichen Therapie wünschen: die Vitrektomie. Der recht ausgedehnte glaskörperchirurgische Eingriff ist eigentlich wesentlich schwereren Krankheitsbildern des hinteren Augenabschnitts (wie zum Beispiel einer proliferativen diabetischen Retinopathie oder einer Amotio retinae) vorbehalten.

Eine niederländische Studie hat jetzt belegt, dass die Vitrektomie beim undramatischen Befund einer Glaskörpertrübung Komplikationen mit störenden optischen Phänomenen zur Folge haben kann. Bei 116 Vitrektomien wegen Glaskörpertrübungen (diese waren bei 86 Patienten primär und bei 30 Patienten sekundär, also Folge einer Uveitis oder einer anderen okulären Grunderkrankung) wurden nach 19 Eingriffen (16,4 %) iatrogene Netzhautrisse festgestellt, die eine Kryopexie oder gar eine Tamponade mit Gas erforderten. Bei 3 Patienten kam es zu einer Netzhautablösung. Während zwei von ihnen mit einer Amotio-Operation geholfen werden konnte, entwickelte sich beim dritten eine proliferative Vitreoretinopathie, die am Ende zu einem massiv auf das Wahrnehmen von Handbewegungen reduzierten Visus führten – ein hoher Preis für die versuchte Beseitigung einer optischen Unbequemlichkeit. Von jenen Patienten, die zum Zeitpunkt der Vitrektomie noch über ihre natürliche Linse verfügten, entwickelten 50 % im Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 10,1 Monaten eine Katarakt (1).

Fazit: Das Risikoprofil einer Vitrektomie, die zur Beseitigung von Glaskörpertrübungen vorgenommen wird, entspricht jenem von Vitrektomien aus gravierenderer Indikationsstellung. Ein Visusgewinn wurde vor allem in jenen Fällen erzielt, wo es zu einer Kombinationsoperation gekommen war: Die Vitrektomie gegen die „floaters“ war zusammen mit der Entfernung einer Katarakt erfolgt. Die Autoren machten auch die Erfahrung, dass ein vom Facharzt aufgrund des objektiven Befunds vielleicht nicht vollständig nachvollziehbarer Leidensdruck und eine entsprechende Motivation zur Operation des Patienten die Wertung der Behandlung deutlich prägen können. In einer ähnlichen Studie verzeichneten nur 19 von 73 Patienten eine Visusverbesserung, während 11 Patienten eine Verschlechterung erlitten – die Patientenzufriedenheit war dennoch mit 88 % sehr hoch (2).

Dr. med. Ronald D. Gerste

  1. Tan S et al.: Safety of vitrectomy for floaters. American Journal of Ophthalmology 2011, epub ahead of print.
  2. Schulz-Key S et al.: Longterm follow-up of pars plana vitrectomy for vitreous floaters: complications, outcomes, and patient satisfaction. Archives of Ophthalmology 2011, 89(2): 159–65. MEDLINE

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