ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2011Diabetes und Koronarerkrankungen: Körpergewicht beim jungen Erwachsenen ist Prädiktor

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diabetes und Koronarerkrankungen: Körpergewicht beim jungen Erwachsenen ist Prädiktor

Dtsch Arztebl 2011; 108(18): A-1007 / B-830 / C-830

Siegmund-Schultze, Nicola

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Übergewicht ist bei Erwachsenen in Europa fast normal geworden, nimmt aber auch bei Kindern und Jugendlichen zu. Eine Erhebung des Robert-Koch-Instituts im Zeitraum 2003 bis 2006 hat ergeben, dass 15 % der Drei- bis 17-Jährigen Übergewicht hatten, 50 % mehr als noch in den 90er Jahren (1). Die Prävalenz der Adipositas in dieser Altersgruppe hatte sich verdoppelt. Die Fragestellung einer amerikanisch-israelischen Forschergruppe war, wie das Körpergewicht am Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter die Entwicklung gewichtsabhängiger Erkrankungen wie Diabetes mellitus und Herzerkrankungen beeinflusst.

Amir Tirosh und Kollegen von der Harvard Medical School in Boston, USA, haben gemeinsam mit Forschern der Ben-Gurion-Universität in Be’er Sheva, Israel, eine prospektive Studie an 37 674 männlichen israelischen Berufssoldaten gemacht: ab der Musterung mit 17 Jahren bis ins junge Erwachsenenalter (durchschnittliche Beobachtungszeit: 17,4 Jahre, circa 650 000 Personenjahre).

Der Body-mass-Index lag bei der Musterung zwischen 17,3 und 27,6 (10. bis 100. Perzentile; BMI in der 50. Perzentile: 20,6) und stieg bis zum Alter von 30 Jahren um durchschnittlich 0,3 pro Jahr (4 BMI-Einheiten) und danach um 0,2 BMI-Einheiten jährlich. Mit 30,5 Jahren, dem Zeitpunkt der ersten Analyse, lag der BMI zwischen 21,4 und 30,6 (10.–100. Perzentile).

Im Beobachtungszeitraum traten bei den jungen Erwachsenen (ab dem 30. Lebensjahr) 1 173 Fälle von Typ-2-Diabetes auf und 327 Fälle von koronarer Herzerkrankung. Nach einer multivariaten Cox-Regressions-Analyse mit den Variablen Alter, Stoffwechselstörungen in der Familie und Nüchtern-Glukose-Werte war der BMI im Erwachsenenalter der einzige Prädiktor für Diabetes. Dagegen waren der BMI mit 17 Jahren und mit 30 Jahren beide jeweils unabhängige Prädiktoren für koronare Herzerkrankungen (p 0,004 und 0,03), und zwar unter Berücksichtigung zusätzlicher Variablen wie Rauchen und Cholesterinwerten.

Fazit: Das Risiko für die Entwicklung von Diabetes im niedrigen Erwachsenenalter wird weniger vom Körpergewicht in der Jugend beeinflusst, sondern steht in engerem zeitlichen Zusammenhang mit dem Körpergewicht zum Zeitpunkt der Manifestation der Erkrankung. Anders sieht es bei koronaren Herzerkrankungen aus. Für deren Pathogenese ist offenbar der BMI des Jugendlichen von Bedeutung. Die Autoren sahen hier einen Zusammenhang ab der 60. Perzentile, entsprechend einem BMI von 21,24 in der Gruppe der 17-Jährigen. „Unsere Studie könnte dazu anregen, besser zwischen normalem und gesundem Körpergewicht zu unterscheiden“, schreiben die Autoren. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Bundesgesundheitsblatt 3; 2011: 290–4. MEDLINE
  2. Tirosh A, et al.: Adolescent BMI trajectory and risk of diabetes versus coronary disease. NEJM 364; 2011: 1315–25. MEDLINE

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