ArchivDeutsches Ärzteblatt12/1996Verkehrsstau aus dem Nichts

VARIA: Auto und Verkehr

Verkehrsstau aus dem Nichts

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LNSLNS Verkehrsstaus entstehen mitunter scheinbar aus dem Nichts und lösen sich ebenso plötzlich auf, wie sie gekommen sind. Verkehrsforscher sagen, daß es dafür fast immer denselben Grund gibt – eine zu starke Differenz zwischen den gefahrenen Geschwindigkeiten der Autofahrer. Die sogenannten Spontanstaus haben Bochumer Wissenschaftler herausgefunden, treten auf, wenn Verkehrsteilnehmer mit zu unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs sind. "Abweichler von dem aufgrund der Verkehrsdichte möglichen Maximaltempo bewirken Stockungen, die sich urplötzlich zu Staus aufschaukeln", sagt Professor Dr. Werner Brilon, Inhaber des Lehrstuhls für Verkehrswesen an der RuhrUniversität Bochum.
Zum einen bewirken dies die Langsamfahrer: Bei großer Verkehrsdichte und allgemein flotter Fahrt reduziert ein Fahrer plötzlich sein Tempo, vielleicht noch dazu auf der Überholspur. Der Verkehrsteilnehmer hinter dem abbremsenden Auto muß nur kurz bremsen, derjenige hinter ihm schon stärker, möglicherweise als Schreckreaktion über die unerwartete Situation. Die nachfolgenden Fahrer müssen ihr Tempo jeweils immer stärker abbremsen, bis vielleicht schon zwei Kilometer weiter hinten und eine Minute später spontan ein zunächst kleiner Stau entstanden ist.
Er kann sich aber erst dann auflösen, wenn sich nach vorne hin wieder genügend Platz zum Beschleunigen für die gestauten Fahrzeuge und die ihnen nachfolgenden gebildet hat. Ist der Verkehr erst mal zusammengebrochen, dauert es bis zur Entspannung der Verkehrslage jedoch sehr lange. Sie stellt sich erst ein, wenn das Verkehrsaufkommen deutlich zurückgeht, so Professor Brilon.
Entgegen der landläufigen Meinung sind aber nicht diejenigen, die sich an Tempolimits halten, die HauptStauverursacher, sondern jene, welche den gleichmäßigen Verkehrsfluß stören, weil sie rasen. Dafür ein einfaches Beispiel: Ein Raser bedrängt einen im Limit Fahrenden auf der linken Spur. Der zwängt sich verschreckt bei der nächstbesten Gelegenheit zwischen zwei in Sicherheitsabstand fahrende Autos auf der rechten Spur. Der Fahrer des hinteren versucht, den Abstand zu dem, der sich hineingezwängt hat, wieder zu vergrößern, wozu er bremsen muß. Im Extremfall wird sich diese Störung im gleichmäßigen Verkehrsfluß wie in unserem eingangs erwähnten Beispiel auswirken.
"Abhilfe schaffen können hier vor allem gut überwachte oder durch Verkehrsbeeinflussungsanlagen angepaßte Tempolimits. Und natürlich schlicht vernünftiges Verhalten der Autofahrer. Welches sich aber meist erst dann einstellt, wenn möglichst viele Verkehrsteilnehmer gemeinsam täglich bittere Erfahrungen mit Verkehrsstockungen, zum Beispiel auf typischen Pendlerstrecken, gemacht haben", meint Professor Brilon.
Ähnliche Folgen ruft jede unmotivierte Verlangsamung des fließenden Verkehrs auf der Schnellstraße hervor. Gängiges Muster ist das Vorbeifahren im Schrittempo an einer Unfallstelle. autopress
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