ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2011CFS: Keine psychische Erkrankung
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In der Tat steckt die Forschung in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Die amerikanische Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention unterstützt mit vier Millionen Dollar eine Öffentlichkeitskampagne mit dem Ziel, sowohl die allgemeine Bevölkerung als auch Ärzte und andere Mitarbeiter des Gesundheitswesens über CFS zu informieren: „Get informed. Get diagnosed. Get helped.“

Seit 2003 existiert eine internationale klinische Definition (Kanada), die sich an die Fukudakriterien von 1994 anlehnt. Die der zitierten
PACE-Untersuchung zugrunde liegenden veralteten Oxfordkriterien von 1991 schließen Depressionen und Angsterkrankungen nicht aus. Kein Wunder also, dass bei den 620 Teilnehmern der Studie kognitive Verhaltenstherapie und Sport im Sinne von Aktivierung hilfreich waren. Ist dies doch eine wissenschaftlich fundierte und leitliniengerechte antidepressive Behandlung. Was hat das aber mit CFS zu tun? 

Nach mehr als 3 000 Forschungsarbeiten gibt es ausreichende wissenschaftliche Belege dafür, dass CFS eine körperliche Erkrankung ist, keine Form der Depression oder eines Burn-outs. Bei CFS-Patienten sind eine ganze Reihe biologischer Abweichungen vorhanden. CFS kann sehr behindernd sein und geht mit zahlreichen beruflichen und privaten Verlusten einher, die eine erhöhte Anpassung im Sinne von Krankheitsbewältigung und coping erfordern. Hierbei kann die kognitive Verhaltenstherapie sehr hilfreich sein, wenn sie auf dem Boden eines somatischen Krankheitsverständnisses stattfindet. (. . .)

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Die unterschiedlichen Zugänge zur Pathogenese der Erkrankung ergänzten sich in vielfältiger Weise: Genetische Abweichungen können zu einer gestörten Immunabwehr und damit zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber Viren und anderen Erregern führen oder zu einer chronischen Aktivierung und langfristigen Schwächung des Immunsystems.

Norwegen ist nach den USA, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Malta und Kanada das siebte Land in der Welt, das nach Identifikation des Retrovirus ein Blutspendeverbot bei CFS ausgerufen hat. Davon sind wir in Deutschland weit entfernt. 

Helfen kann man den Patienten in der alltäglichen Praxis nur, wenn man ihrer körperlichen Beeinträchtigung Glauben schenkt. Schön und kostengünstig wäre es für viele bestimmt, wenn Psychotherapie und Sport weiterhelfen könnten. Solche Artikel unterstützen die in Deutschland und England leider immer noch vertretene Hypothese einer psychischen Erkrankung, die durch internationale Studien eindeutig widerlegt ist und die Bereitstellung von finanziellen Mitteln für eine ernsthafte Forschung verhindert.

Dipl.-Psych. Rita Nowatius, Psychologische Psychotherapeutin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, 40235 Düsseldorf

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