ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/1997Arznei­mittel­kommission: Therapie-Empfehlungen werden immer wichtiger

POLITIK: Aktuell

Arznei­mittel­kommission: Therapie-Empfehlungen werden immer wichtiger

Korzilius, Heike

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LNSLNS "Ich hoffe, daß es den ärztlichen Körperschaften gelingt, eine rationale Medizin zu fördern. Sie ist auf Dauer die wirksamste und die wirtschaftlichste", sagte Dr. med. Dr. h. c. Karsten Vilmar, Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), anläßlich der diesjährigen Mitgliederversammlung der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), einem Fachausschuß der Kammer, Anfang Dezember in Köln. Indem den besonderen Therapierichtungen im 2. GKV-Neuordnungsgesetz ein Sonderstatus eingeräumt wurde, sind nach Ansicht von Vilmar falsche Akzente gesetzt worden: "Der Boden der wissenschaftlichen Medizin ist weitgehend verlassen worden." Dieser Trend sei auch bei der Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz der Länder erkennbar gewesen. Die Konferenz habe sich ebenfalls für eine Förderung "unkonventioneller medizinischer Methoden" stark gemacht. Vilmar hofft, daß sich die Ärzte beispielsweise durch eine weitere und schnellere Verbreitung von Therapieempfehlungen von Fachgremien wie der Arznei­mittel­kommission "auf rationale und rationelle Therapien besinnen".


Auf Kollisionskurs mit Wettbewerbsrecht
Immer wichtiger werden solche Therapieempfehlungen, so Vilmar, wenn es darum geht, bei gleichbleibender Qualität Einsparungen bei Arzneimitteln zu erzielen. Die AkdÄ werde zunehmend solche Empfehlungen erarbeiten. Die Schwierigkeit dabei sei jedoch, daß die Kommission sich damit auf Kollisionskurs mit dem Wettbewerbsrecht begebe.
Auch Prof. Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen, wiedergewählter Vorsitzender der AkdÄ, rückte die Dienstleistungs- und Beratungsfunktion der Arznei­mittel­kommission in den Vordergrund. An die Kommission gerichtet, wies er die künftige Arbeitsrichtung: "Wir müssen uns am Beratungsbedarf der Ärzte orientieren, da muß man sich von Lieblingsthemen trennen können."
Nicht immer kann die AkdÄ jedoch ihre Informationen ungehindert an den Arzt bringen. Durch ihre Einbindung ins Stufenplanverfahren sei es der Kommission nach geltender Rechtsprechung erst dann erlaubt, Informationen über ein Verfahren zu veröffentlichen, wenn die zuständige Bundesoberbehörde dies bereits getan habe, sagte Müller-Oerlinghausen. Das stehe im Widerspruch zur Verpflichtung der AkdÄ, die Ärzte über Arzneimittelrisiken zu informieren. Forderungen nach weitergehenden Rechten habe der Gesetzgeber jedoch auch in der 8. Novelle des Arzneimittelgesetzes nicht erfüllt.
Positiv wertet Müller-Oerlinghausen die erweiterten Kompetenzen der Bundes­ärzte­kammer - und damit indirekt auch die der Arznei­mittel­kommission - bei der Besetzung des Ausschusses für die Verschreibungspflicht von Arzneimitteln. Künftig benennt die BÄK einen Allgemein-, einen Kinderarzt und einen Internisten für den Ausschuß. Die (niedergelassene) Ärzteschaft habe damit größeren Einfluß darauf, welche Arzneimittel verschreibungspflichtig werden oder bleiben. Diese Frage gewinne in einem zunehmend restriktiven Markt an Bedeutung, da die Industrie unter solchen Bedingungen verstärkt auf Selbstmedikation setze.
Klärungsbedürftig ist nach Ansicht des AkdÄ-Vorsitzenden das Verhältnis der Kommission zum Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen: "Der Bundesausschuß wäre gut beraten, wenn er von der Arznei­mittel­kommission nicht nur ökonomisch relevante Beurteilungen erwartet. Er sollte auf unsere wissenschaftliche Kompetenz zurückgreifen." HK

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