ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/1997Einschränkung beim Anschluß von Röntgengeräten: Ein „Kollaps“ des Niederspannungs-Netzes

VARIA: Technik für den Arzt

Einschränkung beim Anschluß von Röntgengeräten: Ein „Kollaps“ des Niederspannungs-Netzes

Roth, Hartwig

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LNSLNS Röntgengeräte, Mammomate und Tomographen benötigen während der Bildaufnahme kurzzeitig eine große, pulsartige elektrische Leistung aus dem Netz. Dies führt bei einem unzureichenden Netzanschluß zu Störungen von Dritten und anderer Geräte in der eigenen Anlage.


Der Betrieb von Röntgengeräten, Mammomaten, Kernspintomographen und Computertomographen stellt eine extreme Beanspruchung der öffentlichen Niederspannungsnetze dar und kann negative Auswirkungen auf andere Geräte in der eigenen Praxis sowie auf benachbarte Kundenanlagen haben. Die genannten Geräte beziehen vor allem während der kurzzeitigen Bildaufnahme eine hohe, pulsartige Leistung aus dem Netz. Dies kann verglichen werden mit einem Sportler, der aus dem Stand heraus Hochleistungen erbringen muß. Ohne entsprechende Maßnahmen würde ein Kreislaufzusammenbruch drohen. Vergleichsweise bedeutet zum Beispiel die von einem Röntgengerät aufgenommene elektrische Leistung von 70 kVA, daß momentan und unverzögert eine Leistung eines Mittelklassewagens mit 95 PS zur Verfügung gestellt werden muß.


Störung der Funktion und Flicker
Bei der Bewertung der Zulässigkeit des Anschlusses von Geräten mit hoher Leistungsaufnahme sind grundsätzlich zwei Dinge getrennt zu betrachten: Funktionsstörungen und sogenannte Flicker.
Der Fachausdruck Flicker bezeichnet den vom Menschen als lästige Störung empfundenen, subjektiven Eindruck von Helligkeitsschwankungen der Beleuchtungsstärke. Funktionsstörungen hingegen zeigen sich durch das Aufblitzen gedimmter Lampen, Störungen von Anlagen der elektronischen Datenverarbeitung (EDV) sowie durch Fehlfunktion elektronischer Geräte.


"Immunität" und "Infektiosität"
Hinsichtlich möglicher Störungen sind - analog zu medizinischen Verhältnissen - zwei Wirkungsrichtungen zu unterscheiden. Zum einen müssen Geräte ein gutes "Immunsystem" aufweisen, das heißt, sie sind konstruktiv so auszulegen, daß sie eine bestimmte Störfestigkeit aufweisen. Dadurch sind sie gegenüber den in Normen festgelegten, zulässigen Störungen aus dem Netz "immun".
Andererseits dürfen sie selbst über ein zulässiges Maß hinaus nicht "infektiös" sein. Das einwandfreie Arbeiten anderer Geräte darf also nicht beeinträchtigt werden. Erfahrungsgemäß treten bei jedem zweiten Kunden, der Röntgengeräte beziehungsweise Tomographen betreibt, Störungen Dritter oder auch Störungen bei elektronischen Geräten in der eigenen Praxis auf, wenn der Anschlußpunkt an das öffentliche Versorgungsnetz mehr als 100 m vom Niederspannungstransformator entfernt liegt. Da eine Stillegung der Geräte mit störenden Netzrückwirkungen als Ultima ratio zwar ein wirksames, aber sicherlich kein probates Mittel zur Störungsbeseitigung ist, wird das Energieversorgerunternehmen als Abhilfemaßnahme in der Regel nur die Verlegung eines separaten Kabels direkt zu einem Niederspannungstransformator oder aber zu einem nahe zu solchem Transformator gelegenen Anschlußpunkt im Netz als Alternative zur Abschaltung anbieten können.
Diese Lösung ist vergleichbar mit dem Legen eines "Bypass", wodurch ebenfalls die mangelhafte Versorgung auf Grund eines zu geringen Querschnittes der Ader, sprich des Versorgungskabels, verbessert wird.


"Exitus" vermeiden
Kostenträchtige Anschaffungen, die nicht funktionieren, weil die Voraussetzungen nicht stimmen, sollten vermieden werden. Vor einer geplanten Investition sollte man mit dem zuständigen Stromversorger sprechen. Anderenfalls kann es passieren, daß man vor einer wunderschönen, neu installierten Anlage steht und konstatieren muß: "Operation geglückt - Patient tot", weil die Geräte nicht ordnungsgemäß arbeiten.


Hartwig Roth
Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke e.V.
Stresemannallee 23
60596 Frankfurt/M.

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