ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2011Evaluation der Weiterbildung: Start der zweiten Runde

POLITIK

Evaluation der Weiterbildung: Start der zweiten Runde

Dtsch Arztebl 2011; 108(19): A-1042 / B-861 / C-861

Hibbeler, Birgit

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Wie steht es um die Qualität der Weiterbildung zum Facharzt? Dieser Frage gehen Bundes­ärzte­kammer und die Lan­des­ärz­te­kam­mern zum zweiten Mal nach. Sie hoffen auf eine höhere Beteiligung unter den Assistenzärzten.

Learning by Doing – ohne Anleitung und unter Zeitdruck. So sieht der Weg zum Facharzt aus. Das wird zumindest von jungen Ärztinnen und Ärzten immer wieder beklagt. Aber ist das wirklich so? Wie steht es um die Qualität der Weiterbildung? Um das herauszufinden, starteten Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und die Lan­des­ärz­te­kam­mer 2009 die „Evaluation der Weiterbildung“. Nun findet die Umfrage zum zweiten Mal statt. Am 1. Juni öffnet das Webportal.

Anzeige

„Wir wünschen uns insbesondere eine größere Beteiligung unter den Assistenzärzten“, sagt Dr. med. Franz-Joseph Bartmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein und Vorsitzender der Weiterbildungsgremien der BÄK. Mit etwa 33 Prozent war 2009 die Resonanz bei ihnen gering. Viele führten dies auf das Verfahren zurück: Damals erhielten die Ärzte in Weiterbildung die Zugangskodes von ihren Chefs. Diesmal ist das anders: Die Assistenzärzte werden von ihrer Kammer kontaktiert. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Weiterbildungsbefugten auf das Anschreiben der Kammer reagieren und die Namen oder Fortbildungsnummern ihrer Weiterzubildenden im Webportal hinterlegt haben. Listen der Weiterbildungsassistenten gibt es bei den Kammern nicht, da keine Meldepflicht besteht. Assistenzärzte, die bis Ende Juli keine Zugangsdaten erhalten haben, sollten sich an ihre Kammer wenden und einen Kode anfordern. Wichtig ist für Bartmann: „Die Anonymität der Teilnehmer ist gewährleistet.“ Assistenten, die in einer kleinen Abteilung arbeiten, können zudem angeben, dass ihr Urteil nur in die Landes- und Bundesauswertung eingeht, so dass es dann keinen Bericht über ihre Weiterbildungsstätte gibt.

Bartmann hofft, dass das neue Verfahren mehr Ärzte zur Teilnahme motiviert. Dazu könnte auch die Tatsache beitragen, dass neben den Landes- und Bundesrapporten künftig auch die Resultate der einzelnen Weiterbildungsstätten veröffentlicht werden – als „Ergebnisspinne“ mit acht Kriterien (Vermittlung von Fachkompetenz, Lernkultur, Führungskultur, Kultur zur Fehlervermeidung, Entscheidungskultur, Betriebskultur und evidenzbasierte Medizin) Das bedeutet: Bevor sich ein Arzt für die Weiterbildung in einer Abteilung bewirbt, kann er nachsehen, wie diese im Vergleich mit der Fachgruppe abgeschnitten hat. Die Weiterbilder können jedoch der Einzelveröffentlichung widersprechen. Bartmann geht aber nicht davon aus, dass dies ein Problem wird. „Wenn das jemand tut, wirft das kein gutes Licht auf seine Abteilung.“ Und der Wettbewerb um Ärzte in Weiterbildung nehme zu.

Bei der Befragung 2009 beteiligten sich freiwillig circa 60 Prozent der Weiterbildungsbefugten. Wer nicht mitmachte, hatte mit keinerlei Konsequenzen zu rechnen. Bartmann zufolge wollen die Kammern weiterhin auf Überzeugung setzen, nicht auf Sanktionen. Das gilt auch für Abteilungen, die in der Evaluation schlecht abschneiden. Diesen werden Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt. „Der Einzelne muss die Chance haben, die Schwächen zu erkennen und aus eigenem Antrieb etwas zu verändern.“

Wie groß die Schwächen in der Weiterbildung sind, darüber ist nach der Umfrage 2009 lebhaft diskutiert worden. Die Ergebnisse fielen für viele überraschend gut aus. In der Gesamtbeurteilung gaben die Assistenzärzte ihrer Weiterbildungsstätte im Schnitt eine 2,5 (Schulnotensystem). Zugleich gaben knapp 50 Prozent jedoch an, keinen strukturierten Weiterbildungsplan zu haben. Etwa 40 Prozent hatten keine Lernzielvereinbarung. Die Evaluation der Weiterbildung wird auch auf dem Deutschen Ärztetag in Kiel Anfang Juni ein wichtiges Thema sein.

Dr. med. Birgit Hibbeler

Der Zeitplan

In diesem Jahr findet zum zweiten Mal die „Evaluation der Weiterbildung“ statt. Start der Online-Umfrage ist der 1. Juni. Die Zugangskodes für das Webportal schicken die Ärztekammern direkt an die Weiterbildungsbefugten sowie die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung.

Die Weiterbildungsassistenten können die Kodes aber nur dann erhalten, wenn ihr Chef ihre Namen der zuständigen Kammer bekanntgegeben hat. Assistenzärzte, die bis Ende Juli nicht automatisch ihre Zugangsdaten bekommen haben, sollten sich an ihre Ärztekammer wenden. Dort können sie dann einen Kode anfordern.

Die Weiterbildungsbefugten können bis Ende Juli an der Online-Umfrage teilnehmen. Für die Ärzte in Weiterbildung ist das Webportal bis Ende August geöffnet. Weitere Informationen unter: www.evaluation-weiterbildung.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema