ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/1997Franziskanerkirche in Bozen: Weihnachtsaltar im hohen Chor

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Franziskanerkirche in Bozen: Weihnachtsaltar im hohen Chor

Lorz, Kurt

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LNSLNS Unzählige Male haben zu allen Zeiten Bildhauer und Maler ihr Können dem Anfang des Lebens Christi gewidmet. Wer in Bozen das Weihnachtswunder (und zwar an jedem Tag im Jahr) erleben will, sollte nicht versäumen, durch den ehrwürdigen Kreuzgang des Klosters die Franziskanerkirche aus dem 14. Jahrhundert zu betreten, wo den Besuchern eine freudige Überraschung bevorsteht. Für viele ist es noch ganz neu: Nach einer langwierigen und hervorragend gelungenen Renovierung des architektonisch schönen Gotteshauses sprach manches dafür, das Kleinod mittelalterlicher Kunst aus der Hand der Schnitzerpersönlichkeit Hans Klocker (1410 bis 1500), den dezent bemalten und reich vergoldeten Weihnachtsaltar aus der Jodokskapelle (auch Marienkapelle genannt), zum Hochaltar im gotischen Chor zu erheben.
Durch herrlich bunte Spitzbogenfenster flutet weiches Licht auf das nahezu 500jährige Altarjuwel, das um 1500 vermutlich als letztes und bedeutendstes Werk von der Klockerschen Werkstatt in Brixen von Klosterleuten abgeholt und auf einem pferdebespannten Wagen nach Bozen gebracht wurde. Mit einem Blick überschaubar ist im Hauptschrein eine etwas andere Darstellung der Geburtsgeschichte wahrzunehmen, vom Meister mit einer liebevollen Erzählkunst geschaffen. Vom Wunder der heiligen Nacht beseelt, knien Maria und Josef zur Anbetung des Kindes in ihrer Mitte nieder. Herkömmlich haben dahinter die hinschauenden Tiere, Ochse und Esel, ihren Platz. Hinter beidseitigen, schmalen Fenstern stehend, bekunden älplerische Hirten ihre Anteilnahme. Lebhaft bewegt reiten im weiten Hintergrund die Heiligen Drei Könige heran, um der Muttergottes mit dem Kind ihre Aufwartung zu machen. Auf heitere Originalität angelegt ist der rahmende Rundbogen mit filigranem Rankenwerk; darin sind elf kletternde Menschen zu sehen, vermutlich der Stammbaum Christi. Die Altarflügel veredeln das Werk unter anderem mit Reliefs der Beschneidung und dem Tod Mariens. In der Predella gehört eine gemalte "Verkündung" zum weihnachtlichen Festkreis.
Von der Kunstfertigkeit des Schnitzers Hans Klocker und seinem tiefen religiösen Empfinden war schon vor rund 500 Jahren Bischof Georg von Brixen beeindruckt. Im Jahr 1482 schrieb er lobend von "unsern burger, (der) mit seiner getreuen und künstlichen arbait hochberumbt" ist. Während des Zweiten Weltkrieges mußte der prachtvolle Altar eine Verlagerung an einen sicheren Ort erdulden. Er kam jetzt unversehrt in die Bozener Franziskanerkirche zurück. Kurt Lorz
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