ArchivDeutsches Ärzteblatt13/1996Börsebius über Garantiefonds: Unsauberer Schnitt

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius über Garantiefonds: Unsauberer Schnitt

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Selbst im Grabe konnte die alten Ägypter nichts erschüttern, wurde ihnen doch – wenigstens den Wohlhabenden unter ihnen – nebst noch lebendem Gesinde auch Rasierzeug in die pyramidale Grabkammer gelegt, auf daß sie immer schön rasiert im Jenseits wandeln konnten. Nicht überliefert ist allerdings, ob die Geister der Pharaonen selbst Hand anlegten, oder das Einseifen dem dienstbaren Personal überließen.
Wer sich heute über den Löffel barbieren lassen will, hat es ungleich schwerer. Da müßte er, um sicher rasiert zu werden, schon wilde Spekulationen bemühen und heiße Aktienkandidaten kaufen wie beispielsweise Bremer Vulkan, Barmag, eventuell Linotype.
Bei Fokker klappte es dagegen schon ganz prima. Mit der Verkündung des Kon-kursantrages muß jetzt jedermann klar sein, daß nicht nur die Aktienbesitzer, sondern auch die Eigner von Fokker-Anleihen auf einem Haufen wertloser Wertpapiere sitzen. Da haben sich nun alle Investoren kräftig geschnitten, die im Vertrauen auf eine Patronatserklärung der Konzernmutter Daimler die Aktien oder Anleihen noch kauften, als der Bart längst ab war.
Da mag sich so mancher entnervt gedacht haben, wie schön es doch wäre, Wertpapiere zu besitzen, bei denen es sowas wie eine Substanzgarantie gibt. Und genau das bieten auch einige Fondsgesellschaften. Die zur Commerzbank gehörende Luxemburger A.L.S.A. erzielte mit dem A.L.S.A.-System D3/ 2000 einen Riesenerfolg und sammelte bei den Anlegern die enorme Summe von 850 Millionen Mark ein. Von diesem Erfolg beflügelt, legten die Fondsmanager in diesen Tagen einen zweiten Garantiefonds auf, den A.L.S.A. D4/2000. Auch die Deutsche-Bank-Tochter DWS findet mittlerweile an solchen Garantiefonds mehr Gefallen und bietet gleich drei Fonds von der Sorte an: je einen für die deutsche, die französische und die japanische Börse.
Das Prinzip bei diesen Konstruktionen ist am Beispiel der DWS-Fonds schnell erzählt. Alle drei Fonds garantieren den Kapitalerhalt bis zum Ende der Laufzeit am 30. September 1999. Anleger erleiden also schlimmstenfalls einen Verlust in Höhe des dreiprozentigen Ausgabeaufschlags. An Aktienkurssteigerungen sind sie aber lediglich mit einer Quote von 50 bis 60 Prozent beteiligt. Aber was sich auf den ersten Blick so gut liest, ist in Wahrheit nicht das Gelbe vom Ei. Mit einer simplen Bundesanleihe und dem Kauf von Indexoptionsscheinen läßt sich eine deutlich bessere Rendite erzielen. Den guten Schnitt kann man dann wenigstens selber machen. Börsebius
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