ArchivDeutsches Ärzteblatt13/1996Psychiatrie: Konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschlag
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LNSLNS Ich möchte den Leserbrief des Kollegen Winkelmann nicht unkommentiert stehenlassen. Es tut mir leid, wenn sich der Kollege persönlich angesprochen und verletzt gefühlt hat. Mir ging es nicht darum, die Arbeit der niedergelassenen Kollegen zu diffamieren. Ich bin selbst niedergelassen und leide unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen. Bei zu vielen meiner Patienten tut sich in meinen Augen eine zu große Diskrepanz auf zwischen dem, was ich tatsächlich als einzelkämpferisch arbeitender Facharzt zu leisten imstande bin, und dem, was angesichts der akuten Behandlungs- und längerfristigen Rehabilitationsbedürfnisse des Patienten notwendig wäre.
Ich wollte auf die aus dieser Sicht eklatanten Mängel der ambulanten psychiatrischen Versorgung hinweisen. In den mehr als 130 Sonderdruckanforderungen haben übrigens viele, gerade auch niedergelassene, Kollegen ihre Zustimmung ausgedrückt. Somit scheint zumindest ein Teil der Leser meine Botschaft so verstanden zu haben, wie sie gemeint war – als konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschlag. Nichtsdestotrotz tut es mir leid, daß der Artikel offensichtlich zu diesem Mißverständnis Anlaß gegeben hat.
Bezüglich des Leserbriefes von Herrn Kollegen Beutler möchte ich anmerken, daß sich der "Arzt zum Anfassen" und die Benutzung standardisierter Vorgehensweisen keineswegs ausschließen. Im Gegenteil, wenn der Arzt gegenüber dem Patienten sein Urteil auch auf Befunde standardisierter Untersuchungen stützen kann, wird für den Patienten manches transparenter und besser verstehbar. Daß man dabei nicht mit der Tür ins Haus fällt, den Patienten unter Druck setzt und die Bearbeitung solcher Instrumente zur Voraussetzung der Behandlung macht, versteht sich von selbst. Es ist keine Frage, daß der Patient immer da abzuholen ist, wo er steht, und daß dem Aufbau von Behandlungsmotivation erste Priorität einzuräumen ist. Der "Supervisionspsychiater" ist sicherlich Zukunftsmusik. Eine ausführlichere Darstellung meiner diesbezüglichen Überlegungen war aus Raumgründen nicht möglich.
Den Ausführungen des Kollegen Kirchner kann ich – bedauerlicherweise – nur zustimmen. Mit dem Teamgedanken und einer entsprechenden Umorganisation verbinde ich jedoch die Hoffnung, daß es auch dem niedergelassenen Psychiater möglich sein könnte, vermehrt Hausbesuche durchzuführen, um auch denjenigen Patienten besser helfen zu können, die den Weg in die Praxis scheuen.
Dr. med. Rainer Sonntag, In der Wüste 18, 57462 Olpe/Biggesee
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